Oneohtrix Point Never – Replica

Soll der New Yorker Musiker von Oneohtrix Point Never zu Beginn selbst das Wort in Anpruch nehmen: „Replica has as much to do with environmental, broadcasted, and club sounds as it does with more direct musical influences.“ Seinen Standpunkt in der elektro-avantgardistischen Musikwelt hat Daniel Lopatin bereits mit seinem Debüt ‚ Returnal ‚ aus dem Jahr 2010 gefestigt. Gemastered wurde das neue Album in den eigenen Studios von Mexican Summer mit Hilfe von Joe Lambert (Animal Collective, Dirty Projectors). Mit ‚ Replica ‚ fliegen wir durch endlose Low-Media-Kanäle zu seinen kosmisch, elektronischen Perspektiven, gefüllt mit geisterhaften Stimmen und halb vergessenen Zeichen. Es ist auch eine Bergung von Strandgut aus der Vergangenheit. Eine Konfrontation mittelloser Artefakte und künstlicher Retro-Purismus, gefangen in einem orangeroten Traum. Wohin gegen seine früheren Kollektionen, die Risse eine starke Blasenbildung verursachten und Synthesizer-Muster im Lärm gediehen, bleibt ‚ Replica ‚ erstaunlich gedämpft und feierlich – taumelt sogar am Rande der gähnenden Klang-Leere. Doch die Doppelstrategie mit seinen beiden Tracks ‚ Andro ‚ und ‚ Sleep Dealer ‚ zu eröffnen, ist ein genialer Schachzug. Langsam erheben sich wütende Töne aus einem verrauchten Schlummer, auf einmal schließen sich diesen depressive und langgezogene Schwaden von Lärm an und beweisen, Lopatin verfügt über den passenden Winkel zur richtigen Schärfe und ein bewundernswertes Wissen über den elektronisches Liederzyklus. ‚ Replica ‚ fängt Lopatin auf dem Höhepunkt seiner Macht, der seine esoterische Vision mit einer neu entdeckten Unverfrorenheit kombiniert und diese ganz klar auch durch die jüngste Zusammenarbeit zwischen Games/Ford & Lopatin zurückzuführen ist. Nur ein Track, nämlich das gigantische ‚ Explain ‚ überdauert die Fünf-Minuten-Marke, und fast alle seiner 10 Titel gehören zu seinen schönsten und unvergesslichsten, die Lopatin in meinen Augen jemals aus seinem Parallel-Universum zu uns auf die Erde sandte.

9.1