Crystal Castles – Crystal Castles

Die Haltung auf dem Cover des Duos aus Toronto, Kanada wirkt resigniert. Dabei haben die Crystal Castles überhaupt keinen Anlass dazu: Denn seit wann gibt es ein Musik-Gruppe, die so unverschämt nach Atari Sound-Chips aus den 1980er Jahren klingt, dazu an Videospiel-Soundtracks erinnert und Ihren Namen einer Action Figur mit Namen She-Ra’s entnommen haben? Damit machen sich die Crystal Castles definitiv bereits jetzt schon einzigartig. Aber auch die angesprochene Musik bedient alles andere, als übliche Klischees, lang überholte Standards und lupenreine Refrains zum Mitsingen. Hier gibt es 8-Ton-Bits, Geblubber und schallenden Lärm um die Ohren. Das Ganz erinnert zudem an die langen Stunden vor dem heimischen PC, an dem unerbittlich gegen die feindlichen Raumschiffe in Space Invadors geballert wurde. Diese marschierten dagegen einheitlich von rechts nach links, schmückten den Bildschirm mit kleinen Pixel-Bomben und verwandelten besonders auf den späteren Levels alles in ein unüberschauberes Chaos. Und genau hier hätten wir die Verknüpfung zu den Crystal Castles hergestellt. Das Duo bestreitet seine eigene Reise durch chaotische, manchmal recht launische Synthie-Pop Geschwader, schlagen gezackte Hacken und lassen alles in einer Genre-zerstörenden Vergessenheit explodieren. Es mag einem zu Anfang wie die große „Pop-Apokalypse“ erscheinen, in Wahrheit ist das natürlich nur eine großartige Idee voller elektrischer Schläge, zielstrebigen Visionen und einem retro-futuristischen Aufprall. Besonders markant wird es auf dem Debütalbum, wenn Ethan Kath seiner musikalischen Begleitung die Stimme manipuliert. Insgesamt erwartet uns eine Reihe von Disco-tauglichen Beats über Trance, House und sanften Synthie-Pop-Nummern. Am Ende der 16 Tracks stehen wir zwischen Faszination und Ehrfürchtigkeit. Dazwischen befinden sich manchmal instrumentale Versionen wie ‚ Reckless ‚ und herrlich verdrehte Nummern wie ‚ Knights ‚ wo man nicht sagen könnte, ob die Strophen mit Klängen des Weinens oder des Lachens übersät wurden. ‚ Crystal Castles ‚ ist dunkel, elektronisch, individuell einsetzbar und mit Sicherheit der nächste große Hype. Aber wen soll es bei diesen dünnen, verschleierten Synthies mit Ihren texturierten Drums auch ruhig auf den Stühlen halten? ‚ Crystal Castles ‚ bietet vieles, am Rande auch einige Schwächen, aber in erster Linie eine bemerkenswerte Menge an Melancholie in unheimlichen Wehklagen.