Pere Ubu – The Long Goodbye

“I came out here to find Harry Partch”. So beginnt Thomas mit seiner Proklamation im Song „Who Stole The Signpost“ und zeigt uns eine wunderschön transparente Klarinettenmelodie, die sich über den elektronisch Partch-artigen Percussions und einer albernen, perkolierenden Keyboard-Melodie in die Lüfte schraubt. Das Ganze dröhnt und summt, als würde es jeden Moment kurzschließen und implodieren. Pere Ubu können es also noch immer. Doch dieses Mal könnte es tatsächlich das letzte Mal sein. Der Mastermind der Band, David Thomas, beschrieb „The Long Goodbye“ als ihr „endgültiges Ziel“ und wenn es ihre endgültige Aussage ist, dann wird es hier auch keine Zugeständnisse geben. Im Gegensatz zu den 20 Jahren, in dem sie die Komplexität ihrer Musik in relativ kurzen, einfachen Ausbrüchen umrahmten, ist es nun die Avantgarde, in die sich Pere Ubu verlieren und sich auf faszinierende und verstörende Weise ausbreiten und verwirren lassen.

 

Thomas hat einmal behauptet, Pere Ubu sei keine experimentelle Gruppe. “We know what we’re doing“, aber wohl nur sehr wenige andere Bands haben eine so lange Karriere mit so vielen Neuerfindungen und so wenig Fehltritten hinter sich. Nachdem Thomas in der Vergangenheit das 2013er Album „Lady From Shanghai“ als „Dance Music Fixed“ umschrieb und ihre 2014er Veröffentlichung „Carnival Of Souls“ wiederum als „Fixing of Prog-Rock“ beschrieb, hatte er diesmal angeblich das Ziel, Popmusik auf seine ganz eigene Art und Weise neu zu interpretieren. Es ist jedenfalls schwierig, solche Proklamationen nicht zu akzeptieren, wenn Thomas behauptet, Pop-Radio ohne Unterbrechung gehört zu haben, bevor er das Album mit einer Prise Salz aufnahm. Unabhängig von der Realität, die hinter dieser Behauptung steckt, bietet das eröffnende Stück „What I Heard On Pop Radio“ eine faszinierende Antwort auf die Frage, die sich aus dem eigenen Titel ergibt.

„The Road Ahead“ ist ein langer Track mit fast zehn Minuten Spielzeit und einer der Besten im Portfolio von Pere Ubu. Ebenso wurden einige der besten Texte von Thomas bisher in gesprochener Form geliefert. „Skidrow-On-Sea“, wie der Titel vermuten lässt, bringt das Album an seinen dunkelsten Punkt und ermöglicht eine leichte Klangreduzierung mit dem abschließenden, Melodeon-getriebenen „Lovely Day“. Auch diese letztere Platte ist ein Meisterwerk des kalifornischen Pops, aber sie ist wie so viel von Pere Ubu ein bewusster und verrückter Ausreißer. Die Details der Klangumgebung der einzelnen Songs zeigen weit mehr als nur ein zufälliges Hören. Dies macht dieses Album zu einem Album, das sich am besten über Kopfhörer erleben lässt.