Albumcover von Marina and the Diamonds „Electra Heart“ mit Marina im 50s-Styling, rotem Lippenstift und Lockenwicklern.
ALBUM

Electra Heart MARINA AND THE DIAMONDS

2012
MSTAX ALBUMPROFIL

Warum ELECTRA HEART von MARINA AND THE DIAMONDS als glitzerndes Spiegelbild unserer widersprüchlichen Sehnsüchte in die Popgeschichte eingegangen ist – und was das mit Herz, Ego und Rollenspiel zu tun hat.

Marina Lambrini Diamandis hat sich nicht einfach neu erfunden. Sie hat sich aufgelöst – in einer Figur, die aus Zuckerwatte, Selbsthass, falschen Wimpern und postfeministischen Abgründen besteht. „Electra Heart“ ist keine klassische Konzeptplatte. Es ist ein bröckelnder Spiegel, in dem jede Pop-Liebhaberin ein verzerrtes Ebenbild ihrer Unsicherheiten, Begierden und Rollenproben erkennen kann. Im April veröffentlicht, inszeniert sich Marina hier als „Primadonna Girl“, als „Bubblegum Bitch“, als „Teen Idle“ – eine verführerische Revue der gebrochenen Archetypen.

Schon das Cover spricht Bände: eine makellose Diva mit Lockenwicklern und perfektem Lippenrot, doch der Blick verrät Müdigkeit. Das kleine schwarze Herz auf der Wange ist mehr als Make-up – es ist die Markierung einer Tragödie. Marina spielt hier nicht sich selbst, sondern eine Figur, die alles darstellt, was sie hasst und zugleich begehrt. Wie sie in „Teen Idle“ singt: „I want to be a real fake“ – ein Widerspruch, so glänzend und traurig wie der American Dream.

Die Platte oszilliert zwischen electropoppigem Glamour („Primadonna“), bitterer Erkenntnis („Starring Role“), feministischem Fatalismus („Power & Control“) und morbider Nostalgie („Fear and Loathing“). In „Homewrecker“betritt Marina die Bühne der Selbstsabotage – schnippisch, sprechsingend, herrlich überzogen. Doch es sind die dunkleren Tracks wie „Teen Idle“ oder „Lies“, die wirklich haften bleiben. Wenn sie haucht: „You only ever touch me in the dark“, offenbart sich die Leere hinter all dem Posen.

Trotz der schrillen Sounds ist das Album tief melancholisch – ein Protest gegen das Bild der perfekten Frau, vorgetragen mit Glitzerstaub und Synthpop-Beats. Marina tanzt sich durch Rollen, verliert sich darin – und gewinnt paradoxerweise an Kontur. Was einst als kalkulierte Image-Strategie belächelt wurde, hat sich als popkultureller Meilenstein etabliert – vor allem bei jungen Frauen, die das Spiel durchschauen und doch mitspielen müssen.

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Albumcover von Marina and the Diamonds „Electra Heart“ mit Marina im 50s-Styling, rotem Lippenstift und Lockenwicklern.

MARINA and The Diamonds – Electra Heart

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Anspieltipps: Teen Idle, Primadonna, Starring Role

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