Other Lives – Rituals

Other Lives waren schon immer üppig und dieser Sound hat ihnen hochkarätige Fans wie Radiohead und Bon Iver eingebracht. Während ihre Akzeptanz der akustischen Instrumentierung viele dazu veranlasst hat, sie als Folk-Gruppe zu bezeichnen, gehen sie mit ihrem dritten Album, dem dynamischen und expansiven „Rituals“, über dieses Kategorisierung hinaus. „Rituals“ ist eine meisterliche Leistung in Sachen Produktion und Arrangements, wobei jede Melodie in makellosen Percussions erblüht. Die Band füllt den gesamten Raum des Albums aus und zaubert eine echte „Kopfhöreraufnahme“. Während einige der Ideen hier an frühere Aufnahmen von Other Lives gebunden waren, setzen die Band und Co-Produzent Joey Waronker (Atoms for Peace) diese jetzt mit größerer Präzision um. 

„English Summer“, das einen Schwarm aus Klavier und Hörnern bietet, könnte in den Händen einer anderen Band leicht zu beschäftigt klingen. Bei Other Lives fühlt sich jede Schicht wie eine geschmackvolle Ergänzung an. Trotz aller beweglichen Teile geht der emotionale Kern des Tracks akustisch nie verloren. „2 Pyramids“ verfolgt den umgekehrten Ansatz und kombiniert die Streicher und das dröhnende Schlagzeug zu einem der ehrgeizigsten Songs im Katalog der Band. Der leicht monotone Gesang von Frontmann Jesse Tabish verschmilzt fließend mit massiven Kompositionen. Das sanfte Timbre seiner Stimme fühlt sich an, als wäre es Teil eines Orchesters.

Es gibt großartige kleine Ideen, die versuchen, herauszukommen, aber leider – und insbesondere im ersten Teil der Platte – immer wieder in übergroßen hallenden Schichten erstickt und mit sinnlosen elektronischen Elementen wie den Drum-Loops überfüllt werden und sich auf den ersten drei Tracks des Albums etwas fehl am Platz anfühlen. Dass man sie auf dem Rest des Albums nicht mehr hört, spricht Bände, und es ist fast so, als ob es ihnen selbst langweilig wurde, selbst zu versuchen, sich in dieses Zeug hineinzuversetzen. Sieht man die ersten Songs als ein Experiment, um mit weniger mehr zu erreichen, wäre es zu ihrem Vorteil gewesen – hier scheint es, als ob es wie gewohnt läuft, und alle Versuche, sich zu ändern, scheinen das Ziel ein wenig zu verfehlen.

„Rituals“ zu hören ist wie in einen dunstigen Traum zu schlüpfen oder in einen klassischen Gebrauchtwarenladen einzutauchen. Die zweite Hälfte von „Rituals“ ist charmant und einhüllend, aber was noch wichtiger ist, es schafft der Band viel Raum für zukünftige Bemühungen.