Christina Aguilera – Liberation

Seit ihrer Debütsingle Genie in a Bottle im Jahr 1999 war CHRISTINA AGUILERA immer eine Rebellin in der Popwelt – abweichend vom Stereotyp „Mädchen von nebenan“, an dem andere Popsternchen festhielten. Und obwohl sie sich vielleicht nicht selbst als Rebellin bezeichnet, hat sie sicherlich eine Karriere daraus gemacht, eine zu sein.

Christina Aguilera hat seit „Keeps Gettin ‚Better“ aus dem Jahr 2008 nicht mehr die amerikanischen Top Ten erreicht. „Lotus“ wurde auch deshalb entwickelt, um diesen Abwärtstrend umzukehren, aber trotz seines Anteils an glänzendem Dance Pop erzeugte das letzte Album keinen Pop-Hit. „Liberation“ scheint als Reaktion auf ihr Scheitern konstruiert zu sein, da Aguilera glänzende Haken für Hip-Hop-Beats und schwelende Balladen aufgibt. Trotz der flüchtigen Präsenz von Kanye West und Anderson .Paak, die beide als Produzenten anerkannt sind, ist „Liberation“ kein Album für die Clubs. Ein Großteil des Albums ist launischen Momenten der Selbstreflexion und Hymnen der Ermächtigung gewidmet, was den deutlichen Eindruck erweckt, dass Aguilera herausfindet, wie man innerhalb der Grenzen der Chart-orientierten Musik reifen kann. Sicherlich verbringt Christina viel Zeit damit, über dauerhafte Liebe und Mutterschaft zu singen, und bietet sogar eine MeToo-Hymne in Form von „Fall in Line“ an, einem dichten, wütenden Duett mit Demi Lovato.

Solche Reflexionen und gemessene Empörungen verleihen der Befreiung eine Schwerkraft, die in anderen Alben von Aguilera fehlt, und ihre nüchterne Perspektive überträgt sich auf „Sick of Sittin'“, ein ansteckendes und diamanthartes Stück Funk, bei dem Aguilera sich in ein neu entdecktes Krächzen in ihrer Stimme lehnt. Christina’s Wachstum als Schriftstellerin und Sängerin hilft dabei, ihre anhaltende sentimentale Spur auszugleichen, eine Tendenz, die gelegentlich in das Zuckersüße gerinnen kann. Dennoch ist diese gelegentliche Schwäche auch eine Stärke, die zeigt, dass Aguilera mit „Liberation“ keinen einfachen Weg eingeschlagen hat: Sie hat stattdessen eine Mischung aus Persönlichem und Kommerziellem gefunden, die die Platte emotional in Resonanz bringt, egal welchen Erfolg sie haben mag oder nicht. Es ist letztlich vielleicht keine Pop-Platte, Hip-Hop-Platte oder Soul-Platte, aber es ist sicherlich eine Xtina-Platte.

7.3