The Head And The Heart – Let’s Be Still

Um es gleich einmal vorweg zu nehmen: ‚ Let’s Be Still ‚ ist die zertifizierte Musik für den Herbst. Die atemberaubende Musikalität dieser Gruppe blendet in den Augen wie die tiefstehende Sonne in diesen Tagen. Einen zusätzlichen Beweis liefern uns The Head and the Heart mit Ihrem ungemeinen Geschick für lyrische Geschichten zwischen dem goldenen Blattwerk. Sie singen alleine, mehrstimmig – doch stets mit fokussiertem Blick auf die starken melancholischen Americana-Sounds. The Head and the Heart liefern den Soundtrack zum Herbst. Man kann es nur ein weiteres Mal mit Deutlichkeit betonen. Das eröffnende Stück ‚ Homecoming Heroes ‚ erklärt dann die entsprechenden Hintergründe zu dieser allgemeinen Einschätzung. Das nachdenkliche Songwriting trottet im melodischen Zusammenspiel zu üppigen Instrumentierungen mit Geige, Klavier, Gitarre und einem urigen Banjo durch gefühlsbetonte Gesänge. Und als Hörer kriegt man bereits während diesen Minuten nicht genug von der offenen Ästhetik, die sich im spiegelnden Schaufenster des künstlerischen Ausdrucks die Sonne ins Gesicht scheinen lässt und sich dabei immer wieder an hoffnungslos wunderschönen Chören bedient.

Wir stehen einfach nur dahinter und genießen die üppig abfallende Wärme, während die traumhaften Zeilen, „The memories we’ve made will never be lost/ The look on your face, we both knew the cost/ But the wind, yes the wind keeps howling“, deutlich zeigen, weshalb nach der überschäumenden Flut an Folk-Bands der letzten Jahre, The Head and the Heart nicht durch das Sieb gefallen sind. Ein weiterer Grund dafür ist sicherlich auch das sehr feine Gespür für Balladen. Man nehme als Beispiel Ihr Stück ‚ Josh McBride ‚ mit einem bedachten Anstieg in den Arrangements und zugleich zeigen uns Charity Rose Thielen, Josiah Johnson, Jonathan Russell, Tyler Williams, Chris Zasche und Kenny Hensley mit den summenden Chören, den euphorischen Harmonien, der zunehmend zuversichtlichen Stimme und dem engelshaften Gesang von Charity  die natürliche Entwicklung zu Ihrem Song ‚ Down In Valley ‚ aus dem selbst betitelten Debüt. Wer dagegen lieber ein bisschen stimmungsvolleres Mid-Tempo bevorzugt, wird seine Freude im nächsten Track ‚ Shake ‚ haben. Hier tänzelt der Bass zu beschwingten Beats, nimmt das Klavier im Refrain an die Hand und gemeinsam entzünden die Instrumente gegen Ende ein wahres Feuerwerk der guten Laune.

Doch so freudvoll man in den letzten Minuten war, im Mittelteil schwächeln The Head and the Heart dann ein wenig, versinken zu sehr in der bereits angesprochenen Lethargie und machen es dem Hörer unnötig schwer. Glücklicherweise findet die Gruppe auch hier wieder heraus und präsentiert uns mit ‚ My Friends ‚ eine äußerst leichtfüßige Nummer, zu der man gerne den eigenen Kopf im Takt mitwippen lässt. ‚ Gone ‚ blickt als abschließendes Stück zurück auf die Postkarten und Bilder der zerflossenen Liebe einstiger Tage. „I’m tryin’ hee-ah/ Aw I’m trying here/ And fuck what they’re saying.” Im Vergleich zu Ihrem Debüt konzentrieren sich The Head and the Heart noch ein bisschen deutlicher auf den Pop-Aspekt – aber ist das keineswegs als negativ zu verstehen – denn die Gruppe verleiht Ihren Songs dadurch einen sehr belebenden und stärkenden Anstrich. Ein weiterer Bonus ist natürlich auch die perfekte Produktion. Es macht einfach grenzenlosen Spaß die Melodien in sich eindringen zu lassen, die tiefe Ehrlichkeit zu spüren und prophetische Zeilen wie, „You can get lost in the music…/ We can play music for hours and hours but the sun will still be coming up soon“, lauthals mitzusingen. Hatte ich es schon erwähnt? ‚ Let’s Be Still ‚ ist der Soundtrack für den Herbst.