ASH Ad Astra
Mit Vollgas durchs All der Nostalgie: Wie ASH mit AD ASTRA zwischen galaktischem Größenwahn, melancholischer Romantik und selbstironischer Erdenschwere die Zukunft ihrer eigenen Vergangenheit entdecken.
Drei Jahrzehnte nach „1977“ und „Free All Angels“ hätte kaum jemand erwartet, dass Ash noch einmal so weit ausholen würden. Doch „Ad Astra“ ist mehr als ein nostalgischer Rückblick. Es ist ein selbstbewusster Flug durchs eigene Klanguniversum, ein Album, das mit offenen Armen in alle Richtungen greift: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Der Titel ist Programm, das Cover ein Versprechen. Drei Raumfahrer, entschlossen, dem Unbekannten entgegenzublicken, während hinter ihnen eine Gitarre wie eine Rakete gen Mars schießt – ein ironischer Kommentar zur eigenen Bandgeschichte, aber auch zur ewigen Sehnsucht nach Aufbruch. Tim Wheeler, Mark Hamilton und Rick McMurray sehen darin keine Flucht, sondern eine Rückkehr zur Neugier, die sie einst antrieb.
Der Auftakt „Zarathustra“ zitiert Richard Strauss’ „Also sprach Zarathustra“ und markiert damit eine selbstironische Schwere, die Ash sofort wieder brechen. „Which One Do You Want?“ – mit seinen schimmernden Gitarren und bittersüßen Harmonien – ist pure Melancholie in Bewegung, ein Song, der zwischen Entscheidungsangst und Sehnsucht schwebt. „I want both“, singt Wheeler, als wüsste er selbst, dass Dualität längst Teil des Band-Mythos ist. In „Fun People“, gemeinsam mit Graham Coxon, kippt das Trio in eine bissige Gesellschaftssatire, deren hyperaktive Hooklines den Wahnsinn des Digitalzeitalters nachzeichnen. Der Refrain – „I look around, I don’t know what to do, I’m stuck here with fun people like you“ – hallt nach, weil er ebenso überdreht wie ehrlich klingt.
Dann wird „Ad Astra“ introspektiver: „Give Me Back My World“ ist eine Rückbesinnung auf Menschlichkeit nach Isolation und Kontrollverlust. Der Song trägt die DNA von „Shining Light“ und „A Life Less Ordinary“, klingt jedoch reifer, fragiler, fast wie ein spätes Eingeständnis, dass Euphorie auch Abschied bedeuten kann. „Keep Dreaming“ und „Dehumanised“ setzen auf die vertraute Mischung aus Verzerrung und Sentiment, doch nicht alles zündet. Dazwischen überrascht „Jump in the Line“ mit absurdem Surf-Punk-Groove – ein riskanter, aber sympathischer Fremdkörper. Der finale Titeltrack, erneut mit Coxon, bündelt das Ganze in einer hymnischen Schlusssequenz: romantisch, überzogen, aber aufrichtig.
Ash behaupten sich hier nicht durch Innovation, sondern durch Energie, Spielfreude und Selbstreflexion. „Ad Astra“ ist kein neues Kapitel, sondern eine Umlaufbahn. Es zeigt eine Band, die weiß, dass sie nie die Sterne erreichen wird, aber weiterhin mit ausgestreckten Händen danach greift.
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