The Avalanches – We Will Always Love You

Nachdem THE AVALANCHES das überreizte Gefühl hervorgerufen hatten, sich in einem Karneval von Herzschmerz zu erholen und eine Sommerkarawane durch ihre Heimat Australien vertont hatten, suchten sie nun nach einem Platz für ihr drittes Album.

Im Jahr 2000 veröffentlichte das australische Trio sein Debütalbum „Since I Lost You“, das wohl größte Meisterwerk der Sampling-Kunst seit dem 1989 veröffentlichten „Paul’s Boutique“ der Beastie Boys. Das Album wurde sorgfältig aus mehr als 3.500 Vinyl-Samples zusammengestellt und bleibt ein einzigartiges Audio-Abenteuer, das von Glückseligkeit in der Umgebung bis zu einer Sensation reicht, die zwischen zwei oder drei lauten Partys gleichzeitig (und irgendwie synchron) besteht. Die Gruppe hat Inspirationen wie De La Soul, Public Enemy, Big Audio Dynamit, David Byrne und Brian Eno’s bahnbrechendes Collagenfest „My Life in the Bush of Ghosts“ von 1980 zitiert, die alle Referenzpunkte für ihre Herangehensweise sind, wenn nicht unbedingt ihren Sound wiedergeben. Der Einfluss von „Since I Lost You“ war enorm: Jamie xx, Mastermind von The xx, gehört zu vielen Musikern, die davon sprechen, als Jugendliche vom Album maßgeblich beeinflusst worden zu sein.

Angesichts seiner Komplexität ist es nicht ganz überraschend, dass 16 Jahre und viele Fehlalarme verstrichen sind, bevor die Gruppe, bis dahin ein Duo, das ebenso großartige „Wildflower“ folgen ließen. Es ist also eine glückliche Überraschung, dass „We Will Always Love You“ in vergleichsweise schnellen vier Jahren nachfolgt. Das Kunststück ist umso beeindruckender, als das sich The Avalanches bei etwa der Hälfte des neuen Albums auf konventionellere Songs konzentriert – mit einer hervorragenden Liste von Gastsängern – zusammen mit ihren üblichen, weitreichenden Klangcollagen aus obskuren Schallplatten, gesprochenen Wortfetzen, Spielgeräuschen, Soundeffekten und weiß was noch alles. Das Beste von allem ist, dass ihre melodische Sensibilität sich bemerkenswert gut in traditionelleres Songwriting übertragen hat.

Ähnlich wie bei Daft Punk’s „Random Access Memories“ hat die Gruppe eine Reihe von Gästen ausgewählt, von denen fast alle beeindruckende Leistungen erbringen: R&B Sänger Leon Bridges, Weezer’s Rivers Cuomo, Blood Orange’s Dev Hynes, Jane’s Addiction Sänger Perry Farrell, Rapper Denzel Curry, Tricky, Sampa The Great und natürlich darf auch ein Jamie xx nicht fehlen, den wir auf „Wherever You Go“ hören. Auch Smiths Gitarrist Johnny Marr, Kurt Vile, MGMT, Mick Jones von Clash / Big Audio Dynamite und viele weitere sollen nicht unerwähnt bleiben. Aber man sollte sich nicht vom erweiterten Kreis aus Einflüssen in die Irre führen lassen: Dies ist immer noch ein Avalanches Album, eine Reise in den Sound voller Zwischenspiele und Abstecher. 

Trotz der Komplexität der Produktion fließt dieses Album wie seine Vorgänger mit einem bemerkenswerten Gefühl aus Harmonie und Spaß – es klingt nicht überfordert, obwohl es sich eigentlich physikalisch gar nicht möglich ist. Über 20 Jahre und drei Alben in ihrer Karriere schlägt „We Will Always Love You“ ein ganz neues Kapitel für The Avalanches auf.

9.6