TAME IMPALA Deadbeat
Zwischen Rave-Erleuchtung und Selbstzweifel taumelt Kevin Parker durch ein digitales Labyrinth aus House, Melancholie und postpsychodelischer Müdigkeit das seinem einst so glänzenden Sound die letzte Schärfe nimmt.
Seit über anderthalb Jahrzehnten gilt Kevin Parker als Architekt einer neuen Psychedelia, als Tüftler, der Gitarren in Spiegelräume verwandelte und Pop mit akustischer Tiefe versah. „Deadbeat“, das fünfte Tame-Impala-Album, knüpft formal an diese Tradition an, nur ohne das Leuchten. Statt flirrender Gitarren und präziser Schlagzeugschläge dominieren diesmal dumpf pulsierende House-Beats, die den alten Zauber in ein endloses Stroboskoplicht tauchen. Parker, der einst zwischen Beatles-Harmonien und Timbaland-Grooves vermittelte, scheint im eigenen Spiegelkabinett verloren. Die Stücke wollen clubtauglich sein, wirken jedoch oft wie Demos aus einer anderen Zeit: zu sauber, zu kontrolliert, zu leer.
„My Old Ways“ eröffnet das Album mit einer Klavierfigur, die an einen improvisierten Jam erinnert, bevor sie in mechanische Schleifen kippt. In „Loser“ singt Parker mit überhöhter Falsett-Fragilität von Selbstverachtung und Resignation, begleitet von einem Beat, der jede Emotion glattbügelt. „No Reply“ bleibt in dieser Haltung gefangen, sein elektronisches Rauschen atmet Müdigkeit statt Aufbruch. Nur selten bricht ein Moment von Atmosphäre durch – etwa in „Afterthought“, wenn Synths und Glockenläufe eine scheue Wärme andeuten. Doch der Eindruck bleibt fragmentarisch, als fehle dem Album ein innerer Motor.
Parker hat oft von der „bush-doof“-Kultur gesprochen, jenen australischen Open-Air-Raves, die ihn zu dieser Platte inspirierten. Doch wo ekstatische Entgrenzung zu erwarten wäre, entsteht Distanz. Das Cover, ein verschwommenes Schwarzweiß-Porträt aus Nähe und Entrückung, spiegelt genau das: ein Mensch, eingefangen im Versuch, Intimität zu halten, während die Welt längst weiterzieht. Diese Ambivalenz hätte Größe entfalten können, wäre sie musikalisch konsequenter gefasst worden. So bleibt „Deadbeat“ ein seltsam trübes Experiment, dessen Ideen auf halber Strecke erstarren.
Die Produktion ist makellos im technischen Sinn, jedoch seelenlos in ihrer Perfektion. Wo „Currents“ noch den Rausch der Transformation feierte, herrscht hier ein mattes Kreisen um Identität. Die Songs enden, ohne zu verglühen. Am Ende bleibt das Gefühl, einem Künstler zuzusehen, der weiß, wie er alles richtig macht, und trotzdem das Zentrum verloren hat.
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