Damien Jurado – What’s New, Tomboy?

Damien Jurado benennt seine Songs sehr gerne nach Menschen. Auf seinem neuen Album „What’s New, Tomboy?“ enthalten mehr als die Hälfte der Songs einen Namen im Titel. Dies ist nicht von Natur aus gut oder schlecht, aber es ist eine passende Zusammenfassung von Jurado’s Tendenz, eine gewisse Direktheit zu bevorzugen. Obwohl das neue Album weiterhin Jurado’s Fähigkeit zeigt, wehmütige und gefällige Folksongs zu basteln, scheint es, als würde er sich nach 25 Jahren seiner Karriere langsam auf seinen Lorbeeren ausruhen. Es ist zugleich eine Art Zwischenspiel zu den Vorgängern „The Horizon Just Laughed“ und „In the Shape of the Storm“ und Damien Jurado’s dritte Eigenproduktion in Folge nach 20 Jahren Zusammenarbeit mit externer Hilfe. Während 2019 „In the Shape of the Storm“ die Dinge auf ein Minimum reduzierte und nur die Stimme und die Akustikgitarre des Sängers und Songwriters, sowie die zusätzliche Gitarre von Josh Gordon enthielt, konkretisiert „What’s New, Tomboy?“ die Dinge mit Orgel, leichtem Schlagzeug und – was am auffälligsten ist – Bassgitarre von Gordon. 

Jurado hält die Ausführung jedoch auf seinem zweiten Album für Mama Bird Recording Co. zurückhaltend und intim. Beginnend mit dem bescheidenen, vom Land geprägten „Birds Tricked Into The Trees“ durchquert er Country Rock, Spare Folk und sanfte Psychedelia in zehn Liedern, von denen mehr als die Hälfte aus Charakterskizzen bestehen. Ein solcher Track ist „Ochoa“, eine Hommage an seinen guten Freund und häufigen Mitarbeiter Richard Swift, der 2018 verstorben ist. Mit auf Akustikgitarre und Bass abgespeckten Instrumenten beginnt der Song mit den Zeilen „You’d weigh the day/Falling fast asleep/I’d watch the sky turn in your eyes to blue.“ Typisch für Jurado’s eindrucksvollen, stark poetischen lyrischen Stil, aber auch ausgesprochen persönlich wird die Schärfe des Songs durch feine Gitarrentechnik und eine brüchig klingende Stimme verstärkt. „Fool Maria“ beginnt mit einer sanft gezupften Gitarre und einer warmen Melodie, doch am Ende der vierminütigen Laufzeit ist der Song nicht mehr gewachsen, als was wir in den ersten Sekunden gehört haben. 

Im Allgemeinen ist Folk von Natur aus einfach, aber das Hauptproblem bei „What’s New, Tomboy?“ ist, dass es nicht viele interessante Ideen bietet, um diesen unkomplizierten Ansatz auszugleichen. Nichts auf auf dem Album klingt schlecht, aber mit einem Mangel an konsequenter Entwicklung und erkennbaren Songstrukturen folgt Song nach Song, bis wir feststellen, dass wir das Ende erreicht haben. Seine produktive Natur ist immer noch beeindruckend, aber um es gelinde auszudrücken, ist es schwer, sich nicht zu fragen, ob er mal etwas anderes ausprobieren sollte. Denn jetzt, im Jahr 2020, liegt “What’s New, Tomboy?“ klanglich irgendwo zwischen seinen beiden vorherigen Alben und bietet nicht viel Neues oder Aufregendes.