POPPY Negative Spaces
Konsequent, energisch und vor allem raffiniert, das ist das Album für alle, die die Tage von I Disagree vermissen. Willkommen zurück, POPPY, du hast uns schmerzlich gefehlt.
Es hat etwas Freches an der Art und Weise, wie „new way out“, die erste Single aus Poppy’s sechstem Album, beginnt, mit dieser fröhlichen, halbmonotonen Stimme, die fröhlich ihren Namen verkündet, kurz bevor sie uns mit Riffs bombardiert, die direkt aus dem goldenen Zeitalter des Metalcore’s Mitte der 2010er stammen. Es fühlt sich fast wie eine Art Beruhigung an, ein Versprechen, dass, so neu diese Richtung auch erscheinen mag, im Grunde immer noch dieselbe Poppy steckt. Seit sie vor einem Jahrzehnt als kindliche, roboterhafte YouTube-Figur und Meme an den Start ging, hat sich die in Los Angeles lebende Moriah Pereira, AKA Poppy, von ihrem ursprünglichen Mitschöpfer Titanic Sinclair getrennt und mehr Energie dem Pop gewidmet, wobei sie Millionen von Streams für Streifzüge in alles von Bubblegum bis Nu-Metal angehäuft hat.
Der Subtext ihres sechsten Albums ist ein Kampf um die Identität. „Maybe I’m the one I’m running from“, singt sie auf dem harten, aber sanften „the cost of giving up“, während das selbsterklärende „surviving on defiance“ wunderschön roh ist. Auf über 15 Tracks tritt sie als eine Person auf, die entschlossen ist, ihren eigenen Instinkten zu vertrauen. Auf Stücken wie „vital“ und „push go“ klingt Poppy ganz im Einklang mit ihrem Gespür als Pop-Queen, während sie auf Stücken wie „they’re all around us“ und „the center’s falling out“ uns anschreit, als hätte sie uns beim Fremdgehen erwischt. Und wer eine ausgewogene Mischung ihrer Gesangseinlagen wünscht, keine Angst, denn die ersten beiden Stücke in Kombination mit „nothing“ zeigen ihre Fähigkeit, diesen süßen Klang in einen kehligen Schrei zu verwandeln, wann immer sie will.
Man hat das Gefühl, dass Poppy so viel wie möglich in die Trackliste packen möchte – die zweite Hälfte von „Negative Spaces“ bietet kraftvollen Arena-Rock (komplett mit Whoa-ohs) in Form des Titeltracks, ernüchternder, aber flüchtiger Balladen im näheren „halo“ und der unheimlichen, fast roboterhaften und zutiefst wahrheitsgetreuen Ballade „tomorrow“. „I like entertaining / Don’t we all like entertaining? / Tell me, it’s not just for me anymore“, gibt sie zu. Zusammengenommen ist das alles ein wenig ungepflegt. Hinzu kommt, dass der benommene Versuch von „hey s“, Schönheit zu entfalten, eher zu einem Hip-Hop-Album passt, bevor es seinen Kurs auf einen holprigeren Weg korrigiert. So unzusammenhängend es auch stellenweise sein mag, seine Erfolgsquote bleibt hoch und es gibt sich nie damit zufrieden, einfach nur dahinzugleiten.
Andererseits sollte man diese Version von Poppy genießen, solange sie noch da ist – so wie wir sie über die Jahre kennen lernen durften, wird sie so etwas wahrscheinlich nie wieder machen.
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