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INGRID LAUBROCK The Last Quiet Place

2023

In INGRID LAUBROCK’s neuem Album verschmelzen nervöse Streicherarrangements mit eruptiven Jazz-Momenten zu einer dichten Atmosphäre innerer Einkehr. Die Saxophonistin erschafft mit THE LAST QUIET PLACE eine klangliche Zuflucht vor der digitalen Überreizung unserer Zeit.

Das Cover zeigt eine Landschaft, die in ein unnatürliches, kühles Blau und Violett getaucht ist, durchzogen von einem strengen Raster aus weißen Punkten. Diese visuelle Setzung von David Klamen korrespondiert unmittelbar mit der musikalischen Struktur des Albums: Es ist der Versuch, das Organische, das Wilde der Natur durch ein ordnendes System zu betrachten, ohne ihm die Lebendigkeit zu nehmen. In Stücken wie “Anticipation” wird deutlich, wie sehr Laubrock an der Dekonstruktion pastoraler Idyllen interessiert ist, wenn akustische Gitarrenakkorde von Brandon Seabrook von mikrotonalen Reibungen der Streicher Tomeka Reid und Mazz Swift unterwandert werden.

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Die klangliche Architektur von „The Last Quiet Place“ basiert auf einer ständigen Umverteilung von Gewichten. Michael Formanek am Bass und Tom Rainey am Schlagzeug agieren hier nicht als rhythmisches Fundament im herkömmlichen Sinne, sondern als Impulsgeber in einem hochgradig instabilen System. Besonders in “Delusions” zeigt sich diese strategische Unruhe, wenn spitz formulierte Staccato-Phrasen des Saxophons auf eine fast mechanische, zahnradartige Rhythmik treffen. Laubrock fordert hier eine Wachsamkeit ein, die uns zwingt, jede Nuance der Interaktion zwischen den sechs hochkarätigen Solisten als Teil einer größeren, kollektiven Erzählung zu begreifen.

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Die Kompositionen verweigern sich konsequent der Pose des Virtuosen. Stattdessen tritt das Ensemble als ein atmender Organismus auf, der in “Afterglow” eine fast sakrale Ruhe ausstrahlt, nur um in “Chant II” in eine kontrollierte, jazz-rockige Ekstase auszubrechen. Es ist eine Musik der permanenten Schwellenmomente, die ihren eigentlichen Kern in der Verweigerung von Eindeutigkeit findet. Ingrid Laubrock gelingt damit eine Standortbestimmung, die den modernen Jazz als ein Feld begreift, in dem die Suche nach Klarheit nur über das Akzeptieren des Chaos führen kann.

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Ein expressionistisches Ölgemälde einer nächtlichen Waldlandschaft am Wasser in Blau- und Violetttönen, überlagert von einem gleichmäßigen Raster weißer Punkte.

Ingrid Laubrock – The Last Quiet Place

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84
verfremdet
2023
The Last Quiet Place
VE-0152-RB

Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

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