Harry Styles – Fine Line

Als One Direction 2016 eine Pause einlegten, ging es nicht wirklich darum, ob Harry Styles Solomaterial veröffentlichen würde – sondern, welche Art von Musik es werden würde. Würde er Ex-Bandkollegen Zayn Malik auf der sinnlichen Route des elektronischen R&B folgen? Würde er versuchen, das Boyband-Image abzuwerfen und eine Platte mit jungenhaftem Charme herauszubringen? Oder würde er die Justin-Timberlake-Route eines straff geschriebenen, ausgewachsenen Pop-Albums gehen? Nun, er hat keines der oben genannten Dinge getan. Die erste Single „Sign of the Times“ war ein knapp sechs Minuten langer Bowie-inspirierter Epos. Die Power-Ballade verschmolz Elemente des 70er-Jahre-Rock mit Britpop und war ein Vorgeschmack auf das, was auf seinem selbstbetitelten Debütalbum zu erwarten war.

Mit Hilfe der Produzenten Tyler Johnson, Kid Harpoon, Sammy Witte, Greg Kurstin, Jeff Bhasker. Songwriters: Styles, Johnson, Witte, Bhasker, Thomas Hull, Mitch Rowland, Amy Allen, Isley Juber wurden die oben genannten Einflüsse mit Elementen des Soft Rock, Psychedelia und einem Schuss Funk für das zweite Album „Fine Line“ kombiniert. Das Album enthält eine Handvoll Mega-Songs, aber manchmal hat es den Anschein, als würde Styles zu viel von seinen musikalischen Helden für sich in Anspruch nehmen. Das klirrende „Cherry“ ist mit seinen klappernden Riffs und Mundharmonika-Linien von Psychedelia durchtränkt. „Sunflower, Vol. 6“ ist vollgestopft mit Vokalharmonien und -produktionen im Stil der Beach Boys, die vom neuesten Vampire Weekend-Album stammen könnten.

Textlich ist „Fine Line“ absolut ehrlich. Styles sagte, auf dem Album gehe es um, “all about having sex and feeling sad”, man könnte es selbst nicht besser ausdrücken. Auf „Falling“ spielt er auf die Tatsache an, dass er seine Ex betrogen hat, indem er zugibt, “there’s no one to blame but the drink and my wandering eyes“, während er auf „Cherry“ den neuen Freund seiner Ex verspottet und fragt: “Does he take you walking ‘round his parents’ gallery?” Das zweite Album von Harry Styles ist glücklich und traurig, romantisch, voller Verachtung und trotzdem schön. „Fine Line“ ist der Beweis, dass Harry Styles seit seinem Solo-Debüt als Künstler gewachsen ist. Er hat sein volles Potenzial noch nicht erreicht, ist aber auf jeden Fall auf dem besten Weg.