Pom Pom Squad – Death of a Cheerleader

PopRock, Juni 2021
Die Art und Weise, wie MIA BERRIN ihre Liebkosungen zuwirft – seien es legendäre 60er-Jahre-Girlgroups, Charaktere aus einem John Waters-Film oder die neueste Mode von heute, während sie gleichzeitig eine schöne und originelle Geschichte in ihren Songs erzählt – ist absolut aufregend.

Pom Pom Squads Debüt „Death of a Cheerleader“ klingt wie eine schwebende Anomalie in einem Fernseher voller Statik. Der Klangraum ist jedoch nicht abgestanden, sondern aufschlussreich und gruppiert den romantischen Pop der 60er Jahre mit lauten Riot-Grrrl-Punk-Hymnen und sanfterem, modernem Indie Rock. Auf Schritt und Tritt untergräbt Berrin – zusammen mit ihren Bandkollegen Shelby Keller am Schlagzeug, Mari Alé Figeman am Bass und Alex Mercuri an der Gitarre – die Erwartungen und verwandelt gleichzeitig die Schmerzpunkte der Jugend und die Langeweile der Highschool-Vorstadt in skurrile Fantasien.

„Death of a Cheerleader“ synthetisiert Berrin’s verschiedene Einflüsse – ästhetisch, musikalisch, filmisch – endet aber als eine ganz eigene Kreatur, die Berrin’s Geschichte auf eine Weise erzählt, die mit Sicherheit bei vielen ankommt, die Schwierigkeiten haben, sich in weiß getünchten Hollywood-Veröffentlichungen wiederzufinden. Das Album ist konzeptionell gut umgesetzt und brillant, viszeral ausgeführt. Referenzen gibt es in „Death of a Cheerleader“ im Überfluss, aber die Platte ist so originell und mitreißend, dass solche Anspielungen die Musik eher stärken als überschatten. Auf „Crying“ jammt sich das Orchester im abschließenden Broadway-ähnlichen Refrain frei und fügt dem ohnehin schon emotionalen Track eine unvermeidliche Schicht der Verzweiflung hinzu.

Und auf der lebhaften zweiten Single „Head Cheerleader“ behauptet Berrin, dass sie „gonna marry the scariest girl on the cheerleading team“. Aber statt sich in die Form der Perfektion zu zwingen, entscheidet sich Berrin dafür, das Seltsame, Beängstigende und Unkonventionelle anzunehmen und findet dabei ein greifbares Vertrauen in den Prozess. „Death of a Cheerleader“ untersucht Berrin’s Identität im Kontext dessen, was die Gesellschaft von ihr als Frau erwartet: die Cheerleaderin, die Ballkönigin der High School, die sich in Beziehungen für ihren Partner opfert. Aber während des gesamten Albums untergräbt Berrin diese Erwartungen mit unharmonischen Klängen und Themen sowie mit Momenten roher, unerschütterlicher Verletzlichkeit.

Teile von „Death of a Cheerleader“ klingen wie aus einem anderen Realitätsgefüge, wie das sich wiederholende, hypnotische Wiegenlied von „This Couldn’t Happen“ und der wunderschöne Abschluss des Albums „Be Good“ Dieser Track greift das Intro des Albums auf, eine süße, einladende Vibraphon-Melodie, und erweitert sich zu einer mitreißenden Orchesterballade. Am Ende umgibt statisches Rauschen seine Ränder, eine Erinnerung an die Traumlandschaft, in der wir uns befinden. Das Lied verklingt mit einem Gemurmel schwebender Dankbarkeit, treibt in die Wolken über einem tristen Fußballfeld und weckt ein Teenager-Mädchen aus einem langen Traum.

8.2