The Twilight Sad – Fourteen Autumns & Fifteen Winters

Sie kommen aus der selben Stadt wie Franz Ferdinand. Gibt uns das nun Aufschluss über die musikalische Zugehörigkeit von The Twilight Sad? Nein das tut es definitiv nicht. Und dieses klare Bild besteht seit Ende 2006, als man Ihre gleichnamige fünf Track-EP in den Läden käuflich erwerben konnte und vor sich ein umfangreiches Spektrum verschiedenster Stile wiederfand. Das Debüt hält sein Versprechen aus dem letzten Jahr, lässt die Ursprünge und damaligen Entstehungen fabelhaft mit einfließen und schwebt dabei von Van Dyke Parks, Phil Spector, Daniel Johnston über viele weitere federleicht hinweg und verliert dennoch nie den bestimmten musikalischen Referenzpunkt aus Ihrem geographischen Heimatort Kilsyth. „The band likes to see their songs as folk with layers of noise, as they are based on experiences that have happened to them, around their hometowns or people they know“, merkt Sänger James Graham bei Fragen über die stilistische Richtung an und wird ebenfalls Fragestellungen wie diese noch öfter zu hören bekommen.

Einfach zu spannend ist die konzentrierte Mischung aus den geschichteten Melodien, dem intensiven Live-Sound, der sich vor dem Publikum wie eine viszerale Wand des Lärms auftürmt und eben das verkörpert, was die The Twilight Sad auszeichnet. Dazu zählen die verschiedensten Instrumente ebenso, wie eine taktische Umstellung auf der Bühne. Schließlich sind die Schotten keine Band, die Live identisch Ihre Songs auf der Platte herunterspielen will. Das zeigte auch Ihr erster Auftritt, eine 30minütige Jam-Session mit unzähligen Instrumenten und Spielereien. Dieses Spektakel bekommen wir auf ‚ Fourteen Autumns & Fifteen Winters ‚ zum Glück nicht auf die Ohren, es wäre schlicht zu anstrengend gewesen. So umschmeicheln uns die Herren auf Ihrem Opener ‚ Cold Days From The Birdhouse ‚ mit sanfter Pop-Sensibilität und hohen Piano Tönen, bevor Mark Devine die Felle seines Schlagzeuges bearbeitet. Dabei verlieren The Twilight Sad nie Ihre konventionell klingenden Melodien, verbinden Sie aber mit katharischem Breitbild-Rock, ergänzen die Strophen durch Akkordeons und Ihren schottischen Folk-Wurzeln.

Poetisch ziehen die Wolken über ‚ Fourteen Autumns & Fifteen Winters ‚ hinweg, drücken den Songs ein hohes Maß der Unverkennbarkeit mit starkem Erzählfluss auf. Die Transzendenz täuscht uns über die einfachen Stücke, gebleicht und übersteuerte Gitarren fahren dazu eine konsequente Linie und überraschen den Hörer immer wieder mit stürmischen Rhythmus Abschnitten und funkelnder Metamorphose. Spannung und Entspannung liegen auf dem Debüt verdammt nahe beieinander, spielen mit dramatischen Ohnmachtsgefühlen und lassen uns in Ehrfurcht erstarren. Das Geheimnis von The Twilight Sad sind wohl die nahezu perfekten Kombinationen aus Einflüssen und das Gleichgewicht zwischen Mensch und Maschine, zwischen populären und progressiven Klängen. Ja selbst für die Anhänger des Shoegazing wurde gedacht und stellt damit fast schon eine Ausnahmeposition in der Musiklandschaft dar, die schlussendlich um eine weitere sympathische Aussage von Graham erweitert wird: „We don’t want to be festival headliners, we just want to make enough money that we can stay in a band and keep making music.“ Ein schöneres Schlusswort kann es für ein Werk mit dieser strahlenden Aura wohl kaum geben.