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GORDI Like Plasticine

2025

Zwischen Melancholie und Befreiung: Wie GORDI auf LIKE PLASTICINE die Erfahrungen einer Pandemie-Ära in schillernde Folktronica verwandelt, die Intimität, queere Sichtbarkeit und klangliche Experimente zu einer Erzählung von Verlust, Resilienz und stiller Freude verdichtet.

Sophie Payten alias Gordi hat ihr drittes Album nicht aus einer Phase kreativer Überfülle heraus geschaffen, sondern aus einem existenziellen Vakuum. Nach dem gefeierten „Our Two Skins“ verschwand sie für Jahre aus dem Rampenlicht, arbeitete als Ärztin in den vordersten Reihen der Pandemie. Nächte in sterilen Fluren, Gespräche mit Patient*innen, in denen Worte schwerer wogen als jede Melodie – all das ist in „Like Plasticine“ eingeschrieben. Der Titel ist kein hübsches Bild, sondern eine Diagnose: Menschen werden geformt, gezogen, gedrückt von Kräften, die sie nicht kontrollieren können, und manchmal entstehen gerade daraus neue Konturen.

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Das Cover zeigt eine ältere Frau am Strand, schwarzweiß, in der Sonne lehnend, als ob sie den Lärm der Welt hinter sich gelassen hätte. Dieser eingefrorene Moment trägt dieselbe paradoxe Ruhe wie „PVC Divide“, die von einer Begegnung mit einem unheilbar kranken Patienten erzählt, gemeinsam mit Anaïs Mitchell getragen von akustischer Zartheit und Stille, die lauter spricht als jede Klimax. Der Opener „GD (Goddamn)“ – komplett auf dem iPhone aufgenommen – tastet sich mit glitzernden Fragmenten in eine Atmosphäre zwischen Fremdheit und Nähe. „Alien Cowboy“ versinkt in elektronischen Schleiern, imaginiert eine queere Utopie im flimmernden Wüstensand, während „Cutting Room Floor“ mit Indie-Gitarren und flinken Drums den Moment feiert, in dem man den Satz „Not anymore“ endlich meint. 

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„Peripheral Lover“ tritt dann wie ein Statement aus dem Off: kein Leben mehr am Rand, sondern mitten im Zentrum, tanzbar, selbstbewusst, fast popstarhaft. Im Mittelteil verdichtet sich das Album zu Intimität. „Lunch At Dune“ mit SOAK klingt wie ein Flüstergespräch im Halbdunkel, „Settle“ zieht sich wie eine Wolldecke über einen kalten Morgen. „Diluted“ und „Your Consolation Prize“ arbeiten Spannungen ab – zwischen Selbstbehauptung und dem Nachglühen von Verletzungen – mit Klavier, Synths und Stimmen, die sich zu einer Art Chor der Genesung verweben. Wenn im Finale „Automatic“ die Ordnung sprengt, spürt man den Pulsschlag derer, die nicht nur überlebt, sondern ihre Erschütterung in Kunst verwandelt haben. 

„Like Plasticine“ ist kein bloßes Pandemie-Album, sondern ein Zeugnis, dass Schmerz nicht konserviert, sondern transformiert werden kann.

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84
fotografie
2025
Like Plasticine
ME-0163-NG

Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

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