bdrmm – Bedroom

Der letzte und entscheidende Sargnagel des Shoegaze war die Explosion der Britpop-Szene mit Oasis and Blur im Jahr 1994, die die meisten Shoegaze-Bands als irrelevant erschienen ließ, während eine riesige Menge schrecklicher Bands folgte. In Amerika setzte sich die Shoegaze und Dreampop-Szene jedoch unbeirrt fort und wurde im Laufe der Jahre immer lebendiger. Die alte Garde wie Slowdive, Ride, Swervedriver oder My Bloody Valentine werden nach und nach als musikalische Ikonen von jeder Band genannt, die am Shoegaze interessiert ist. Die Relevanz? Immer wenn erstklassige Shoegaze-Alben veröffentlicht werden, stammen ihre Schöpfer fast immer aus einem anderen Land als dem Geburtsort des Genres. „Bedroom“ heißt das Debüt – veröffentlicht vom britischen Shoegaze-Fackelträger-Label Sonic Cathedral – von der englischen Band bdrmm.

Nach einer Reihe beeindruckender Extended Plays präsentiert uns „Bedroom“ zehn brandneue Tracks und obwohl hier Shoegaze der übergreifende Tenor ist, sind sie nicht wirklich eine Shoegaze-Band. Sie leihen sich Elemente aus der Vergangenheit des Genres, zaubern aber einen facettenreichen Sound, der sehr viel von der Gegenwart in sich trägt. „Bedroom“ ist ein Album, das seit vier Jahren in Arbeit ist – es ist so lange her, dass Frontmann Ryan Smith seine erste Demo schrieb und auch ihre Debüt-EP „If Not, When?“ aus dem Oktober liegt bereits einige Zeit zurück. Neun Monate später ist die erste Platte von bdrmm in voller Länge eingetroffen: Kein Wunder, dass Smith den Schreib- und Aufnahmeprozess als eine Form der Therapie und des Eskapismus bezeichnete.

Diese gewichtigen und brutal ehrlichen Themen werden sofort in die ersten pulsierenden Gitarrennoten des Eröffnungsinstrumentals „Momo“ eingebunden. Der Track ist scharf und präzise, ​​zeigt jedoch eine Band, die sich Zeit nimmt und sich zu ihren eigenen Bedingungen ankündigt. Es ist eine schöne und spärliche Einführung mit einem drohenden Gefühl aufgestauter Ängste. „Push / Pull“ überwältigt uns mit einem passend betitelten Gewirr von Emotionen aus spiralförmigen Gitarren und dramatischer Percussions. Das Warten auf den Gesang lohnt sich, da sich Smith tief in unseren Kopf verankert: “You don’t know how much it meant to me / That we spent that night / So carefree.” Der Track ist auch eine wunderbare Momentaufnahme davon, wie diese Band akribisch eine faszinierende Klanglandschaft erzeugen kann.

„Gush“ beschreibt dann die stumpfen Gefühle hinter einer Beziehung, die vermutlich lange gedauert und bereits verblasst ist. Smith strotzt vor Aufrichtigkeit, als er schmerzhaft darüber nachdenkt: “It’s not that I didn’t try to keep my shit together / This whole ordeal just took over.” Hinter diesem Prozess steckt viel Heilung, und er ist mit Musikalität verbunden, die eine feine Linie zwischen aufrichtigem Shoegaze und straffem Post Punk zeichnet. „Bedroom“ mag retro denken, aber bei diesem Debüt haben sich bdrmm als vorausschauend in der Ausführung erwiesen. Ein sicheres und brillantes Debüt und ohne Zweifel schon jetzt ein moderner Shoegaze-Klassiker.