The Comet Is Coming – The Afterlife

Nur ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung ihres zweiten Albums „Trust in the Lifeforce of the Deep Mystery“ haben die Londoner The Comet Is Coming eine neue halbstündige EP mit Namen „The Afterlife“ herausgebracht. Wie bei anderen musikalischen Projekten von Shabaka Hutchings spielt The Comet Is Coming eine Vorreiterrolle in der aufstrebenden englischen Jazzszene. „The Afterlife“ enthält Outtakes aus den Sessions von „Trust in the Lifeforce of the Deep Mystery“ und überraschenderweise klingt diese neueste Veröffentlichung teilweise noch ausdrucksstärker und glänzt mit einer ganz eigenen ausgeprägten Stimmung, oft sanfter und düsterer als wir es im  Vorgänger hörten. Laut der Band können, „…these two records can be seen as companions that cannot exist without each other, like day and night, light and dark, creation and destruction. They were made together, at the same time, and have always been intended to be experienced together.“

Mit fast acht Minuten ist „All That Matters Is the Moments“ einer der längsten Songs des Sets. Es wird eingeleitet, indem die Weltraumelektronik und Shabaka Hutchings’ spiralförmiges Tenorsaxophon ein kosmisch-spirituelles Blues-Solo spielen, bevor der Dichter Joshua Idehen seine prophetische Vorhersage über Dan „Danalogue“ Leavers’ ausgefranste und dumpf klingende Basslinie und Max „Betamax“ Hallett’s Nyabinghi-artiges Tom-Tom- und Cymbal-Getrommel begint. Nachdem Idehen eine spitzblättrige Prophezeiung verkündet, in der Vorstellung, dass er „daydreaming of a world I won’t live to see,“ bietet er einen Hoffnungsschimmer an, während phasenverschobene Atmosphären und geschichtete elektronische Texturen aufblitzen, die zukünftigen Jazz und Reggae miteinander verschmelzen lassen.

Die Oberfläche spricht für die kosmischen Klänge von Sun Ra, aber im Kern steckt etwas Rohes und Erdiges. The Comet Is Coming schöpfen aus der minimalen, zurückhaltenden Palette des Trio-Formats, um etwas Elektrisierendes und Apokalyptisches auf einmal zu schaffen. Mit „The Seven Planetary Heavens“ folgt zum Schluss der Platte eine Prozession, deren langsamer Marsch von einer mitreißender Lyrik und einer Reihe von Richtungswechseln unterbrochen wird, die Spannung und Entspannung über das knifflige Zusammenspiel der Rhythmusgruppe und die wackelige Elektronik von Danalogue hervorheben. Es bricht schließlich weit auf und signalisiert, dass das Ende einer Sache – Kulturen, Planeten, Sterne, Galaxien – auch immer etwas Neues hervorbringt. The Comet Is Coming“ ist eines der besten Projekte, was die moderne Londoner Jazzszene zu bieten hat.