Injury Reserve – Injury Reserve

Das seltsame Trio Injury Reserve aus Phoenix scheint eher eine zufällige Auswahl von drei Kunden in einem Skateboardladen zu sein, als eine Rap-Gruppe. Ihre wahre Herkunftsgeschichte ist hiervon nicht allzu weit entfernt: Rapper Ritchie With a T zog mit seiner Mutter in die Stadt, um dort einen Vans-Laden zu eröffnen, und dort traf er Stepa J. Groggs, einen Angestellten. Ihr einfallsreicher 23-jähriger Produzent Parker Corey, ehemals Kapitän einer Schwimmmannschaft, der nur durch eine Verletzung ins Musikgeschäft geriet, ist so grün, dass Kanye West’s „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ das erste von ihm gehörte Rap-Album in vollem Umfang ist. Als Bastler ohne Grenzen hat er von der K-Pop-Idol-Gruppe f (x) bis zum Bebop-Vorreiter Donald Byrd alles ausprobiert. Ohne eine vorhandene Rap-Szene in Phoenix spielten sie House-Partys mit Punk-Bands und ihr Debütalbum ist der Versuch, aus all diesen Mangeln an Harmonien etwas Einzigartiges Modernes zu erschaffen.

In der Tat durchläuft „Injury Reserve“ verschiedene Formen – die knochenquetschenden und basslastigen, die federleichten und konfessionellen – und lässt das selbst betitelte Debüt klanglich atemberaubend erscheinen, zugleich lässt es darauf schließen, dass die Gruppe bereit ist, für ein viel breiteres Publikum aufzutreten. Das, was hier einer Pop-Single am nächsten kommt, ist wahrscheinlich „Gravy n‘ Biscuits“, ein leichter Sommer-Bop, der viel Spaß macht. „Injury Reserve“ funktioniert jedoch am besten, wenn der Klang an den Rändern etwas rau ist und verzerrte Bässe vor polierten Bässen stehen. Tracks wie „Best Spot in the House“, „GTFU“ und „Wax On“ (mit Freddie Gibbs) sind so einprägsam, weil klar ist, dass die Gruppe nicht den Bauplänen anderer folgt und so kühn wie möglich experimentiert. Auf diesen Tracks rappen Ritchie With a T und Stepa J. Groggs über unvorhersehbare Beats, die von purer Aggression zu heiterer Gelassenheit übergehen, auf eine Weise, die dem, was derzeit in den Rap-Charts explodiert, völlig fremd ist. 

Bei „Wax On“ sagt Stepa: “I’ve never been the type to do what the fuck I was told,”, und dies gibt wohl auch das Leitbild der Gruppe wider. Eine Sache, die im modernen Rap fehlt, ist die Satire. Eine Fähigkeit der Rapper, sich über sich selbst lustig zu machen, und die manchmal lächerlichen Exzesse ihres Genres. Dies macht die sarkastische Seite von „Rap Song Tutorial“ unglaublich willkommen. Die Gruppe führt uns durch den Prozess der Erstellung eines Rap-Songs, vom elektronischen Schlagzeug über die Melodie bis zum Hook, wobei jedes der Elemente einzeln zum Track hinzugefügt wird. Als Ritchie das Tutorial abschließt sagt ihm sein Computer: “Congratulations you’ve made a rap song. Repeat twelve times to complete a rap album”. Es ist eine geniale Parodie auf moderne Trap-Hymnen und ein offensichtlicher Stich in die sich wiederholenden und faulen Tendenzen des Mainstream-Hip-Hops in der Streaming-Ära. Und sollte der Mainstream sich weigern, diese phantastische Gruppe anzunehmen, dann ist das ihr Verlust und der Gewinn des Underground-Raps.