Deradoorian – Find The Sun

ANGEL DERADOORIAN ist absolut furchtlos und so streng wie The Moody Blues und so abenteuerlich wie CAN.

Angel Deradoorian verbrachte einen Großteil ihrer Karriere als Nebendarstellerin bei den Dirty Projectors, aber ihre Soloarbeit hat eine Künstlerin mit einer aufregend einzigartigen Stimme enthüllt. „Find the Sun“ heißt ihr neues Album als Deradoorian und markiert eine imposante Veränderung in ihrem Sound – nicht mehr schwebend und hell, die Musik auf „Find the Sun“ gleicht einer panischen Forderung, einer Reise durch den langen, lichtlosen Tunnel unseres Geistes. Die Platte ist gräbt sich in die feuchte Erde und verweilt dort bis zum sicheren Ersticken. Sie nimmt den erschütternden Antrieb ihres Debüts auf und kombiniert diesen mit der Hypnose des stillen „Eternal Recurrence“ aus dem Jahr 2017. Daraus entsteht für den Hörer eine unruhige und zwielichtige Welt.

Es ist eine dunkle, launische, glänzend schwarze Version der Art von experimentellem Rock, den CAN, Broadcast und Stereolab (die Deradoorian dieses Jahr auf Tour hätte unterstützen sollen) einmal so gut machte. Der Fokus liegt auf dem Rhythmus, und jeder dieser Tracks – ob es sich um unerbittliche Motorik-Jams oder hymnischen Pastoral-Folk handelt – trägt seinen eigenen internen Motor und pulsiert mit hypnotisch düsterer Energie. Eine Sängerin, die für majestätische Harmonien und eine außergewöhnliche Stimme bekannt ist, liefert in „The Illuminator“ einen zwinkernden Kommentar, wenn der Track nirgendwohin und daher überall hin führt. Und es ist einfach einer von vielen Tracks, die dieses Album zu einer puren Freude in diesem bizarren und schrecklichen Jahr machen.

Ein solcher Experimentalismus sollte niemanden überraschen, der einige ihrer früheren EPs gehört hat. Projekte, die ihren Ideen Raum gaben, Raum den sie als Mitglied der Dirty Projectors nicht hatte, haben gezeigt, was passiert, wenn sie sich selbst überlasst und einen sauberen Bruch mit einer sozialen Struktur macht, die ein solches Unterfangen weder gefördert noch unterstützt hätte. „Find the Sun“ ist im Kern motorischer Psych Rock, der von kurvenreichen, urzeitlichen Folk-Melodien durchdrungen ist. Es ist ihre bislang fundierteste Platte – sie interessiert sich mehr für die Erforschung der gewichtigen, wogenden und zwielichtigen Welt als für die hoch aufragenden, luftleichten Harmonien, für die sie berühmt geworden ist. 

Die besten Songs der Platte – das treibende, leicht gesprenkelte „Corsican Shores“ und das ängstlich nach vorn geneigte „Saturnine Night“ – klingen, als würden sie sich einer unbekannten Gefahr entziehen. Die kleinen Details, die auftauchen und sich entfernen, das langsam wachsende Gefühl der Dynamik – diese Songs sind dazu gemacht, sich zu verlieren und unbewusst erforscht zu werden. Dieser unbewusste Ort bleibt ein wesentlicher Spielplatz für Deradoorian – ihre Texte konzentrieren sich auf Meditation und Welten, die sowohl natürlich sind, als auch jenseits unserer Vorstellungskraft liegen. „Find The Sun“ ist letztlich ein großartiges Album einer wahrlich unterschätzten Künstlerin.