Tu Fawning – Hearts On Hold

Wohin das Auge und der darin befindliche Blick auch in den letzten Wochen wandern möge, zu finden waren ausschließlich überschlagende Lobeshymnen für das kommende Debütwerk ‘ Hearts On Hold ‘ von Tu Fawning. Übertrieben? Definitiv nicht. Auch wir hatten bereits das Vergnügen mehrere Durchläufe mit der Platte zu tätigen und waren begeistert. Und diese Begeisterung belegen wir zugleich mit dem ersten Album der Woche im neuen Jahr 2011. Oder um es in einem Satz treffend zu beschreiben: egal welche persönliche Vorstellung bei einem selbst auch immer herrschen mag, am Ende wird eine unglaublich positiv Überraschung vor der Türe stehen. Das wollen wir bereits im ersten Absatz garantieren. Denn nichts klingt wie Tu Fawning. Keiner singt, musiziert und trommelt im Moment so fesselnd und faszinierend wie Tu Fawning. Am ehesten lässt sich dieser Sound aus einer Kombination zwischen Beirut, dem Talent von Zach Condon und der Vermischung aus Balkan-Musik und westlicher Popmusik beschreiben.

Schon die ersten Sekunden von ‚ Multiply A House ‚, dem Opener des Debütalbums ‚ Hearts On Hold ‚ erinnern an ein musikalischen Kuriositätenkabinett und machen deutlich: Diese Band aus Portland, Oregon, vollführt eine magische Zauberei inmitten psychotischer Texturen, antiquierter Instrumentierungen und einer überzogenen Düsternis.Im zweiten Stück ‚ The Felt Sense ‚ stürzen afrikanische Tribul-Drums über längst vergessene Zeiten, die Texte blicken aufrichtig über pochende Impulse und dazwischen eine gespenstische Atmosphäre, die dem Hörer fesselnd über die gesamte Länge des Albums zur Seite stehen wird. ‚ Diamonds ‚ öffnet sich als beängstigender Totentanz, die umringte Flamme verfärbt sich in ein dunkles Blau und über einer sterbenden Trompete erscheint eine geisterhafte Frau. Wir wollen die Flucht ergreifen, doch ‚ Sad Story ‚ packt uns am Kragen, die Flucht ist gescheitert und wir müssen mitansehen, wie sich Totenschädel über unsere Körper ergießen, Tribal Drums und Sound der 20er und 30er Jahre die Menge in einen Blutrausch trommeln und gruselige kleine Mädchen uns an den Haaren ziehen.

‚ Hearts On Hold ‚ ist vollgestopft mit Reflexionen, abstrakten Elementen und fragwürdigen Methoden. Doch dahinter verbirgt sich auch eine verzweifelte Suche nach Romantik. Das Gefühl geliebt zu werden wird besonders im Stück ‚ Apples ‚ deutlich und verdeutlicht uns damit eine neue Sicht auf Dinge, die irgendwo zwischen Spiritualität und Verführungskunst Ihr Schattendasein führen. Indonesische Gamelanmusik und swingender Jazz verfeinden sich am Schluss endgültig mit jeglicher Schubladisierung und Tu Fawning klingt, wie Tu Fawning eben klingen muss. Interessant, spannend, anders, vielschichtig, sanftmütig, organisch, schwermütig und ausgesprochen geheimnisvoll. „How does a song bird sing for the world?“, fragen Tu Fawning in ‚ Mouths Of Young ‚ am Ende und zugleich ist das diese eine zentrale Frage, auf die wir nun eine Antwort finden müssen…