SUKI WATERHOUSE entflieht dem sanften Dunst des Dream-Pop: Warum das facettenreiche Werk LOVELAND trotz namhafter Unterstützung an seiner eigenen Überstunden-Produktion krankt.
Die Verwandlung vollzieht sich in der Härte des Anschlags. Wo auf früheren Veröffentlichungen eine beinahe ungreifbare Wolke aus unendlichem Hall jeden Akkord im Ungefähren beließ, dominiert zu Beginn des neuen Songmaterials ein auffallend trockenes, hölzernes Fundament. Es ist ein bewusster Rückzug aus der atmosphärischen Überinszenierung hin zu einer greifbaren Intimität, die das akustische Skelett der Stücke betont. Suki Waterhouse sucht die Unmittelbarkeit im Songwriting, indem sie die weichgezeichneten Konturen ihrer musikalischen Vergangenheit gegen schärfere Kanten eintauscht.
Diese ästhetische Neuausrichtung hin zu einer bodenständigen Erzählweise spiegelt sich auch im visuellen Selbstbild wider, das die Veröffentlichung begleitet. Das Albumcover inszeniert diese vermeintliche Nahbarkeit paradoxerweise als opulente, dramatische Geste, bei der die Künstlerin im schweren Pelzmantel vor einer dichten Blumenwand posiert. Dieses Spannungsverhältnis zwischen dem Wunsch nach emotionaler Entblößung und der gleichzeitigen Flucht in eine theatralische, fast künstliche Pose legt den inneren Konflikt des gesamten Werks offen. Die visuelle Behauptung von klassischer Star-Eleganz kollidiert mit dem klanglichen Anspruch, eine ungefilterte, ungeschönte Geschichte zu erzählen.
Die gewählte Klarheit scheitert schlussendlich an einer Instrumentierung, welche die neugewonnene Intimität im Verlauf des Albums regelrecht erdrückt. Anstatt der Stimme den nötigen Raum zur Entfaltung zu überlassen, wird sie von dichten Wänden aus Bläsern und exzessiven Gitarrensoli an den Rand gedrängt. Selbst die Beteiligung prominenter Impulsgeber wie Aaron Dessner oder Joel Little vermag es nicht, die Überfrachtung zu bändigen. In Stücken wie „Any Man“ verkommt die vokale Darbietung zu einer monotonen Pflichtaufgabe im tieferen Register, die erst in wenigen, dramatischen Ausbrüchen an Kontur gewinnt: „I can have any man at all / Got a special touch, I’m not doing much“. Solche Momente der songwriterischen Souveränität verpuffen, weil das Album zu oft versucht, alle stilistischen Register gleichzeitig zu ziehen, anstatt auf die Kraft der Reduktion zu vertrauen.
Am stärksten gerät das Werk dort, wo die Arrangements die strukturelle Kontrolle lockern und Fehler zulassen. Wenn die Produktion in „When I Get Drunk (I Want You Boy)“ auf die totale Glättung verzichtet, formen sich plötzlich dynamische, rohe Melismen, die eine echte emotionale Dringlichkeit transportieren. Auch das repetitive Klavierspiel in „Seasons“ beweist, dass eine Fokussierung auf das Wesentliche die stärkere Wirkung entfaltet. Das nachfolgende, mit maximalem produktionstechnischen Aufwand inszenierte Finale kann diese Dichte nicht halten und hinterlässt das Bild einer Künstlerin, deren enorme stilistische Ambitionen im eigenen, überladenen Koordinatensystem feststecken.
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