Poppy Ackroyd – Escapement

Manchmal passieren diese unvorhergesehenen Zufälle, bei denen zwei Dinge aufeinander stoßen und sogleich perfekt miteinander harmonieren. So geschehen am gestrigen Tag, als ich meinen Heimweg zu Fuß antrat und mir dabei das Debütalbum ‚ Escapement ‚ von Poppy Ackroyd aus London das erste Mal anhörte. Es setzte ein leichter Sprühregen auf meinem Heimweg ein, es herrschte Windstille und ich beobachtete, wie der Regen die letzten Spuren des ersten Wintereinfalls sanft in der Erde entschwinden ließ. Die Dämmerung tat Ihr übriges und gemeinsam mit der zeitgenössischen Klaviermusik von Poppy Ackroyd wurde daraus eine Entdeckungsreise in eine Welt des Sounds, die scheinbar dem Korpus und seinem Innenleben entsprungen sind. Zu hören gab es auf meinem Weg sieben Tracks – eine farbenfrohe Kombination aus Piano-Melodien und Akkorden, sowohl konventionell als auch mit Fingern gezupft und mit Plektren und E-Bow bearbeitet. Klavier, Violine und zarte Beats verlangten es, dass Poppy Ackroyd sich mit den Aufnahmetechniken bis ins Details selbst vertraut machte und ebenso wie die Produktion in den eigenen Händen behielt. ‚ Lyre ‚ färbt derweil den mittlerweile dunklen Nachthimmel in ein noch tieferes Schwarz und plötzlich ist die Welt um uns herum verschwunden. Wir bewegen uns fortan auf verschiedenen perkussiven Ebenen, durchwandern faszinierende experimentelle Soundkonstruktionen und erleben einmal mehr die perfekte Produktion des Debüts, welches klassische Musik völlig neu erscheinen lässt. Glücklicherweise entdeckte Poppy Ackroyd vor den Aufnahmen per Zufall einen verwahrlosten alten Flügel, dessen Schönheit durch ihre restauratorische Arbeit am Instrument sich ihr wieder offenbarte. Und zusammen mit Laptop, digitalem Aufnahmegerät und Lautsprechern war damit das heimische Studio perfekt und von nur einem Mikrofon Schritt für Schritt bis in die Tiefen des Instruments abgenommen. Es verwundert einem auch nicht, dass die junge Engländern in der jüngsten Vergangenheit mit Hidden Orchestra tourte und auch sonst Soundtracks für zeitgenössische Tanzstücke komponiert. Poppy Ackroyd ist eine wahrlich willkommene Abwechslung zu dem ansonsten Indie-Pop geplagten London und damit auch eine unausweichliche Bereichung jeder gut sotierten Plattensammlung.