Polly Scattergood – Arrows

Über Polly Scattergood gab es in den letzten Monaten viel zu lesen. Doch die 25-jährige Sängerin, Songwriterin und Produzentin, die vor einigen Jahren ihr – hierzulande nur als Import erhältliches Debüt – herausbrachte, musste den Release in Deutschland viele Male verschieben. Aber jetzt ist es endlich soweit und man darf sich wahrlich darüber freuen. Doch auch Vorsicht ist geboten, denn das neue Album ‚ Arrows ‚ beginnt mit den Worten: „From my cocoon of angel wings“ und beinhaltet Verweise auf Kaninchen Löcher und verwunschene Brunnen. Wir stehen um einen Baum in der Mitte eines Waldes und baden uns in sentimentalen Phantasien, während die kindliche Stimme von Polly Scattergood Ihr emotionales Gewicht zu einem spannenden Hörerlebnis formt. Es gibt lyrische Interessen und Ehrlichkeiten: „Because I’ve got nothing, the clouds have come/ I could just melt away – no-one would know.“ Dazu gesellen sich im weiteren Verlauf perfekt ausgewogene Harmonisierungen: „You would lace up my shoes; I would polish your boots./ It’s the strangest of things I hold onto like diamonds.“ So ist beispielsweise ‚ Disco Damaged Kid ‚ ein pumpender und drängender Song und gemeinsam mit ‚ Wanderlust ‚ konnte man ja bereits im Vorfeld die neue elektronische Ausrichtung der jungen Sängerin erahnen. „Wanderlust/ Wanderlust/ Following my feet as I keep dancing down this endless street,“ ertönt es dann zu synthetischen Haken, rhythmischen Bässen und einem ausbalancierten Refrain. Ihrem Faible für Sixties-Pop blieb Scattergood dennoch treu. Am Anfang von ‚ Wanderlust ‚ wabert eine leise „Lucy In The Sky With Diamonds“-Orgel im Hintergrund, quasi als Verbindungsglied zwischen den eher traditionell instrumentierten Songs ihres Debüts und den neuen, elektronischeren Tracks. Dieses Stück wird noch lange nach Ende des letzten Taktes in den Gehirnwindungen verweilen. Darauf darf man sich verlassen. “’I like to play piano, but it’s often out of tune’, sang Polly Scattergood 2009, damals 22, in ihrem Song ‘ Please don’t touch ’: Sixties-Beatles, Handclaps, süße Mädchenstimme, ein lakonisch beschwingter Text. Vielleicht wird der eine oder andere diese Attribute hier vermissen. Auch wenn die Verbindung noch durch letzte sanfte Fäden zusammengehalten wird, so zieht es die Polly mit Ihren neuen Freunden, den wogenden Synthie-Flächen, zunehmend auf die große Tanzfläche. Der Schritt ist kein verkehrter. ‚ Arrows ‚ fühlt sich wie von jemanden an, der ein Bild über sich selbst malt und mit der zunehmenden Praxis und Erfahrung die Vergangenheit immer deutlicher verblassen lässt.