Spinnerette – Spinnerette

Viel ist passiert in den letzten Jahren der Brody Dalle. Nach dem Split der Distillers im Jahr 2005 und der Heirat mit Queens of the Stone Age Frontmann Josh Homme, folgte nach der Schwangerschaft das erste gemeinsame Kind und der Gedanke wieder musikalisch aktiv zu werden. „I was looking for a place to get my songs out of my head“. Zusammen mit Alain Johannes folgten einige Jamm-Sessions und irgendwann entstand daraus Spinnerette, mit der ersten EP ‚ Ghetto Love ‚ im Dezember 2008. Vier herrlich bissige Nummern mit eindrucksvoller Stärke rüttelten die Fangemeinde um Brody Dalle endlich wieder munter! Auch der Trend zum unwillkürlichen mitsummen verstärkte sich bereits auf der letzten Platte der Distillers deutlich und wurde nun auf der gleichnamigen Debüt Platte von Spinnerette noch einmal perfektioniert. Der Wiedererkennungswert ist nach wie vor ungebrochen, die Hooklines brennen bereits nach den ersten Takten zu ‚ Ghetto Love ‚ Ihre verdammt einprägsamen Akkordfolgen in unsere Köpfe und Dalle verschwindet plötzlich in einer aufsteigenden, violett glänzenden Rauchwolke. Bühne frei für den Mann hinter den Drums: Jack Irons, ehemaliger Schlagzeuger bei den Red Hot Chilli Peppers, Eleven und Pearl Jam. Er verschafft dem Opener die nötige Intensität, lenkt unser Bewusstsein und die Wahrnehmung auf diesen einen besonderen Moment und übergibt nahtlos an die schweren Riffmonster von Tony Bevilacqua und Brody Dalle. Stur und heroisch walzen diese Ungetüme über sanfte Landschaften und verwandeln Sie in vegetationslose Wüsten, während Alain Johannes mit seinem Bass die Schauer im Sekundentakt den Rücken hinunter treibt. ‚ All Babes Are Wolves ‚ ist eine rasende und energiegeladene Up-Tempo Nummer, ganz im Stile der Distillers mit schweißtreibenden Punk Elementen und Rockhymnen, die extravaganter nicht sein könnten. Unheilvolles Wolfsgeheul deutet die nächste drohende Gefahr an. ‚ Cupid ‚ war einer der ersten Songs, die damals nach den Distillers entstanden sind und ist zugleich eine Hetzjagd durch die düsteren Visionen komplexer Gedankenwelten. Es jagt uns, riecht uns und nähert sich unbemerkt bis auf geringe Distanz, um uns dann mit einem einzigen, sehr kraftvollen Biss die Kehlen zu zerfetzen. ‚ Geeking ‚ feiert anschließend den dicken Erfolg, taucht in diffuses Licht ab und belohnt sich selbst mit einer kleinen Auszeit. Aber diese ist trügerisch, denn mit ‚ Baptized By Fire ‚ gelingt Dalle das nächste Meisterstück. Glanzvolle Hymnen wohin das Auge blickt, irrsinnige Arrangements und nicht lange auf sich wartende Schweißflecken unter den eigenen Armen veredeln zusammen mit den beiden darauf folgenden Songs, die erste Hälfte von ‚ Spinnerette ‚. Letzterer ist zudem noch eine wunderschöne und waschechte Ballade geworden, die vorallendingen durch Ihre druckvollen Basslines und dem gelungenen Kontrapunkt mehr als überzeugen kann. Danach folgen zwar weiterhin schöne Melodien und Songs, die auch gerne an die Queens of the Stone Age erinnern und sozusagen mit Dalle den weiblichen Gegenpart stellen, aber es fehlt nun öfter das wirklich Zwingende darin. Hier liegen die Erwartungen und die anschließende Gewissheit oftmals zwischen Bangen und nahender Enttäuschung. Denn vieles kann aufgrund der ersten Hälfte einfach der eigenen Herbeisehnung nicht stand halten und verliert sich somit in der Mittelklasse. Aber wir reden hier von einem außergewöhnlichen Niveau, dass selbst in diesen Momenten weit höher als andere Bands sein Zuhause hat. Und das Spinnerette sich in diesen Momenten nicht einfach so fallen lassen, beweisen Sie mit ‚ Impaler ‚ und den eigenwilligen Folk-Einlagen im Hintergrund. Langsam und mit tiefen Gitarren beenden die Herren samt Brody Dalle schließlich mit ‚ A Prescription For Mankind ‚ die knappen 53 Minuten Spielzeit. ‚ Spinnerette ‚ ist aufwühlend, emotional und richtet stumm die Fäuste gen Himmel. Der hochgepitchte Puls wird auf alle Fälle seine Zeit benötigen, um wieder in klaren Bahnen zu Denken und man selbst wird nach dem Ende bemerken, die Erwartungen haben sich mehr als erfüllt und Brody Dalle legt damit wohl das eindrucksvollste Comeback des Jahres hin. Und diese zuteil gewordene Ehre sollte Ihr definitiv gegönnt sein.

8.6