Thee Oh Sees – Carrion Crawler / The Dream EP

Ich bin schon lange dem verdammten Wahnsinn der Thee Oh Sees verfallen. Die Verrücktheit, die nicht der akzeptierten sozialen Norm entsprungenem Verhaltensweise. Der Wahnsinn als geistige Störung, als widersprüchliches Phänomen und eine Form der Angst. Warum existiert ein Mann wie John Dwyer noch in dieser heutigen Welt? Wie kann er überleben zwischen den angepassten und gleichdenkenden Menschen? Sie sehen alle gleich aus, Unterschiede nur noch im Detail erkennbar, sie tragen alle diese engen Hosen, wollen Hipster sein, jagen den Trends dieser Welt hinterher und freuen sich darüber, wenn am Ende die Gesellschaft es mit einem wohltuenden Nicken zur Kenntnis nimmt. Schwachsinn denkt sich Dwyer.

Er folgt dem Garage-Rock, dem Iggy und dem Roky, bleibt völlig unberechenbar und ist vermutlich der tollste Mann dieser gottverdammten Welt. Tätowierte Arme, wuscheliger Kopf und Haare bis über die Augen, die Gitarre stets zwischen Oberarm und Rippen eingezwängt, bleibt er mit diesen blumigen Worten in Wirklichkeit nur ein normales Klischee des am härtesten arbeitenden Mannes im Rock’n’Roll Geschäft. Jedes Jahr eine neue Platte mit den Thee Oh Sees, jedes Jahr auf Tour bis die Reifen des Vans sich von den Felgen verabschieden. Und dann rotzt dieser Kerl einen Song wie ‚ Carrion Crawler ‚ vor unsere Beine. Ein Aufstieg der Dunkelheit, langsam dringen neue Elemente an unsere Ohren und endlich erwarten uns am Ende die berühmten „la, la, la“ Gesänge.

Für Menschen die bisher noch nichts von den Thee Oh Sees hörten, wird es wie der sprichwörtliche Mangel an Originalität sein – für alle anderen ist es die verdammten Momente der Glückseligkeit. ‚ Contraption/Soul Desert ‚ ist der Tritt in den schmerzenden Arsch, ein Getöse zwischen rockigen Klängen und ausgebrannten, klirrenden Gitarrenriffs. Zwar hatte Dwyer bereits im letzten Jahr zu ‚ Castlemania ‚ angekündigt, „maybe our best album yet“, doch auch mit ‚ Carrion Crawler / The Dream ‚ beweist der Mann echtes Fingerspitzengefühl. Ausgerechnet diese beiden Titel entsprechen dem perfekten Querschnitt der Platte und mit ‚ The Dream ‚ hören wir dann auch warum:

‚ The Dream ‚ ist eine unkomplizierte Veröffentlichung in der Welt der Thee Oh Sees. Und das soll eine durchaus positive Aussage sein. Es scheint als hätte die Band die ideale Balance zwischen der psychedelischen Ausreizung von ‚ Warm Slime ‚ und dem eingängigen Garage in ‚ Castlemania ‚ gefunden. Wie gesagt, Liebhaber der Thee Oh Sees werden für das neue Material zu reißenden Bestien. Es schwankt erratisch und ekstatisch nach vorne, das Territorium wurde erneut markiert und der Wahnsinn mit neuer elektrifizierender Energie versorgt…