PEACHES Fatherfucker
Aggressiv und trotzig setzt PEACHES mit FATHERFUCKER auf kalkulierte Provokation. Die Berliner Wahlkanadierin verschiebt ihre Pose vom ironischen Spiel zur demonstrativen Selbstbehauptung.
Als „I Don’t Give a Fuck“ mit einem Zitat aus Joan Jett’s „Bad Reputation“ einsetzt, formuliert Peaches eine programmatische Geste. Die Aneignung eines Rockklassikers dient nicht als Hommage, sondern als demonstrative Selbstverortung in einer Linie weiblicher Widerständigkeit. Aus dem Sample wird jedoch keine produktive Reibung gewonnen. Statt Zuspitzung entsteht Redundanz, wenn die wiederholte Parole „I don’t give a fuck“ über Minuten hinweg auf der Stelle tritt. Die Strategie ist eindeutig: maximale Behauptung, minimale Differenzierung.
Peaches positioniert sich auf „Fatherfucker“ als sexuelle Provokateurin mit politischem Anspruch. „I U She“ deklariert Bisexualität in schlichten Zeilen wie „I like girls and I like boys“, wodurch Eindeutigkeit demonstriert werden soll. Diese Setzung wirkt weniger subversiv als behauptet, da sie sich im Modus der bloßen Behauptung erschöpft. Im Vergleich zu „The Teaches of Peaches“, das seine Derbheit mit rhythmischer Raffinesse verband, verengt sich hier das ästhetische Mittel auf Wiederholung. Die Beats bleiben funktional, oft reduziert auf starre Drumcomputer-Figuren ohne nennenswerte Textur oder Dynamik.
Auch die Zusammenarbeit mit Iggy Pop in „Kick It“ folgt dieser Logik der Selbstvergewisserung. Der Schlagabtausch zitiert beider Image, ohne daraus eine neue Spannung zu entwickeln. Wo das Debüt noch zwischen Parodie und Ernst changierte, legt „Fatherfucker“ seine Haltung offen aus. Diese Transparenz entzieht der Musik jedoch Ambivalenz. Die Songs kreisen um sexuelle Selbstermächtigung, Grenzüberschreitung, bewusste Geschmacklosigkeit. Ihre strukturelle Anlage bleibt dabei gleichförmig: Hook-Reduktion, monotone Deklamation, geringe Tempovariation.
Peaches entscheidet sich hier für die konsequente Überbetonung ihrer Pose. Diese Selbstverortung im Koordinatensystem aus Punk-Attitüde und Electro-Rohheit verschiebt den Fokus von musikalischer Gestaltung hin zur reinen Behauptung von Haltung. Im Verhältnis zur Vorgängerplatte erscheint diese Verschiebung als Verengung: Der kalkulierte Kontrollverlust ersetzt die spielerische Überzeichnung. Was als bewusste Eskalation angelegt ist, markiert letztlich die Grenze der Strategie.
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