OLIVER KOLETZKI Großstadtmärchen 2
Eine glanzvoll polierte Oberfläche aus vertrauten Versatzstücken verspricht sommerliche Unbeschwertheit, während OLIVER KOLETZKI mit seinem neuesten Album eine konsequente Fortsetzung etablierter Club-Strukturen liefert.
Die Kickdrum markiert das Territorium mit einer unerschütterlichen, fast klinischen Bestimmtheit. Es ist ein Four-to-the-floor-Beat, der keine Fragen stellt und keine Experimente wagt, sondern sich als funktionales Fundament unter die glatten Texturen legt. Diese rhythmische Entscheidung wirkt nicht wie ein Puls, der aus einer inneren Dringlichkeit entsteht, sondern wie eine kalibrierte Dienstleistung. Oliver Koletzki platziert diese Schläge mit der Präzision eines Ingenieurs, der weiß, dass Abweichungen nur die Effizienz des Tanzflusses stören würden.
Die klangliche Ausgestaltung dieser Rhythmik verlässt sich auf eine Reinheit, die keinerlei Schmutz oder analoge Unwägbarkeiten zulässt. In Stücken wie “The Devil In Me” oder “You See Red” ordnen sich die Synthesizer-Flächen einer ästhetischen Ordnung unter, die maximale Kompatibilität anstrebt. Das Album präsentiert sich als eine sorgsam kuratierte Sammlung von Oberflächen, die so glatt poliert sind, dass jeder Widerstand im Keim erstickt wird.
In dieser Welt der kontrollierten Klänge fungiert die Stimme lediglich als ein weiteres Instrument der Glättung. Die Gastvokalisten, von Axel Bosse bis Jan Blomqvist, liefern Beiträge, die sich nahtlos in das vordefinierte Raster einfügen. Die Texte bleiben dabei oft in einer atmosphärischen Unverbindlichkeit verhaftet. Wenn in “Boy Got Soul” eine Seele beschworen wird, die im mechanischen Gefüge der MIDI-Pianos kaum Raum zur Entfaltung findet, offenbart sich die strukturelle Begrenzung dieser Produktion.
Der Einsatz von Prosa in “The Power Of Rausch” wirkt innerhalb dieses Systems wie ein Fremdkörper, der jedoch schnell durch die repetitive Monotonie des instrumentalen Unterbaus domestiziert wird. Es findet keine Reibung statt, kein Moment der Irritation bricht die Vorhersehbarkeit der Songstrukturen auf. Die Musik verharrt in einer statischen Perfektion, die uns eher begleitet als fordert.
Letztlich manifestiert sich in der Abfolge der dreizehn Tracks eine Ermüdung des immergleichen Schemas. Die Reduktion auf bewährte Pop-Strukturen innerhalb eines elektronischen Rahmens führt zu einer funktionalen Musik, die ihre eigene Vorhersehbarkeit als Tugend feiert. In “I Miss My Friends” mündet diese Reise in eine sentimentale Geste, die den Kreis einer Produktion schließt, die sich konsequent gegen jede Form der klanglichen Weiterentwicklung entscheidet.
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