Mabel – High Expectations

Nach dem ersten Durchlauf des Debüts „High Expectations“ von Mabel steht ein solides Album mit einigen außergewöhnlich guten Popsongs im Plattenregal und doch hat es den Anschein, als würde etwas fehlen. Das Debüt hat lange auf sich warten lassen und wurde bereits vor zwei Jahren angekündigt. „You should know that I got high expectations / You’re gonna have to get this right“, behauptet nun die 23 jährige Sängerin im Intro und gleichnamigen Titeltrack. Mit einer Mutter wie Neneh Cherry und Massive Attack-Produzent Cameron McVey als Vater (ganz zu schweigen von dem legendären Trompeter und Opa Don Cherry) ist es unvermeidlich, dass Mabel’s Stammbaum hohe Erwartungen weckt. 

 

Aber man spürt es deutlich, dass die größten Erwartungen von Mabel selbst ausgehen. Kieran Hebden (auch bekannt als Four Tet) produzierte das neueste Album ihrer Mutter, aber es sind Popproduzent-Schwergewichte wie Steve Mac, die Mabel auswählte, um die R&B- und sonnenverwöhnten Afrobeats, die ihr 2017-Mixtape definierten, weiter in die Pop-Arena zu bringen. Die aktuelle Single „Bad Behaviour“ ist eine unbeschwerte Feier sorgloser, jugendlicher Party-Possen. Wie bei früheren Singles ist es eine weitere clubtaugliche Afrobeat-Hymne, bei der das Streben nach Vergnügen im Vordergrund steht.

Album-Highlight „We Don’t Say …“ ist ein dunkler, von Trap-R’n’B inspirierter Track, der die greifbare Spannung und die emotionalen Bündelungen liefert, die ihre früheren Singles auszeichneten. Feinfühligen Electropop gibt es in „Mad Love“ und folgt einer ähnlichen Formel aus brillanten Texten und einem kraftvollen Refrain. Mabel’s wunderschöner, seidiger Gesang ist einnehmend, die glänzende Produktion ist brillant, aber die überschwängliche und sprudelnde Haltung, die Songs wie „Don’t Call Me Up“ so brillant machen, ist leider nicht überall zu finden und so bleibt „High Expectations“ ein insgesamt abgerundetes Popalbum mit einem befriedigendes Endresultat.