Lake Street Dive – Obviously

OBVIOUSLY von LAKE STREET DIVE ist an Fans von Diana Krall, Sade oder Michael Bubble gerichtet. Wer es dagegen eher kantiger und bissiger mag und sowohl jüngere Künstlerinnen wie Angel Olsen oder Sharon van Etten, als auch reife (Tedeshi Trucks Band) bevorzugt – der sollte die Finger von dieser Platte lassen.

Lake Street Dive aus Boston begannen als genrebiegende Indie Band im Jahr 2014 und haben sich zu anspruchsvollen Anbietern von Vintage-inspiriertem Soul, Funk und zeitgenössischem Pop für Erwachsene entwickelt. Es ist ein Sound, der dazu beigetragen hat, dass 2018 „Free Yourself Up“ zu einer so entzückenden Überraschung wurde, und eine, die sie auf ihrem siebten Album weiter voran treiben. Das von Mike Elizondo mit warmer Klarheit produzierte Album zeigt erneut die Talente der Sängerin Rachael Price, der Bassistin Bridget Kearney, des Gitarristen Mike „McDuck“ Olson und des Schlagzeugers Mike Calabrese. Ebenfalls wieder in die Gruppe aufgenommen ist Sänger Akie Bermiss, dessen jazzige Piano-Tasten und warme Gesänge dazu beitragen, den Sound der Gruppe durchgehend zu verbessern.

Besonders spannend ist „Same Old News“, ein erdiges Duett zwischen Price und Bermiss, das an die klassische Arbeit von Roberta Flack und Donny Hathaway aus den 70er Jahren erinnert. Die Band zaubert anderswo eine ebenso starke Atmosphäre, wie in der romantischen R&B Hymne „Hypotheticals“ und der Ballade „Anymore“ im Phil Collins-Stil der 80er Jahre. Es gibt auch eine spürbare Unterströmung von Feminismus und progressivem sozialem Bewusstsein, die sich durch das gesamte Album zieht, während Lake Street Dive sich mit einigen der Probleme ihrer Generation auseinandersetzt. Auf „Making Do“ singt Price: „Killer waves and riots/Coming to the coastline soon…I guess it’s hard to be a human/It’s еven harder to be not/Whеn you’re making do with what you’ve got“.

In „Being a Woman“ wird in dem Song trotz der unbeschwerten Rhythmen, die mit den Fingern schnippen, reumütig aufgezeichnet, dass “being a woman is a full-time Job” – einer mit wenig Lohn und Anerkennung. Price bleibt eine der geschmeidigsten Sängerinnen im modernen Pop, und sie und die Band haben keine Angst davor, sie in einer großartigen, stolz schamlosen Show-Stopper-Ballade wie „Nobody’s Stopping You Now“ zu präsentieren, die als Empowerment-Hymne bestens geeignet scheint. Das Album endet mit zwei experimentellen Songs. Der leise und langsame Swing von „Feels like the Last Time“ verbindet eine sparsame, altmodische Instrumentalbegleitung mit eigenwilligen Elementen, wobei Price’ kühner Blues um jede Silbe ringt. 

Auf „Sarah“ legt die Band ihre Instrumente für einen vielschichtigen Enya-ähnlichen A-cappella-Sound beiseite, bei dem die Gesänge der Gruppe in ätherische Elektrowolken verwandelt werden, die sich um Price’ zentrale Stimme drehen. Es ist genauso einfach, Lake Street Dive zu mögen wie die Fähigkeit der Bandkollegen zu übersehen, kunstvollen Pop zu machen. Während die Band immer gefühlvoll ist, gerät sie niemals in Extreme, lässt niemals Wut aufblitzen oder gerät zu tief in den Schmerz der Liebe. Das heißt aber auch, es wirkt eher wie eine Solo-Veröffentlichung der Sängerin, die sich zu häufig in einer komfortablen Pop-Komfort-Zone aufhält.

7.0