Fortune – Staring At The Ice Melt

So farbenfroh das Artwork, so pechschwarz die Bedruckung der CD. Das Booklet minimalistisch, Ihre Musik eine Mischung aus Pop, Rock und Synth-Sounds. In der Aufmachung kann der französchen Indie-Elektro-Band Fortune keiner etwas vormachen. Zugleich ist es ein Spiegel zu Ihrem Sound. Denn auch hier erleben wir klare Konturen, polierte Synthies und aufgeräumte Strukturen, die uns in Ihrer glänzenden Ausstrahlung anblicken und mit einem vielversprechenden und optimistischen Track ‚ Under The Sun ‚ ersten Kontakt mit uns aufnehmen. Mir gefällt was ich hier sehe und frage mich zugleich: geht heute Nacht vielleicht noch mehr? Doch ich warte ab und will mehr von der Band hören, die ähnlich wie Phoenix oder Pony Pony Run Run in Frankreichs verführerische Raffinesse eingedrungen ist. Im nächsten Stück wird vermutlich schon eine erste Auslese getroffen. Denn ‚ Gimme ‚ ist ein Song, den man lieben oder hassen wird. Lionel Pierres verschluckt die Vocals förmlich auf eine Art und Weise, die eingängigen Spaß verspricht, aber auch ständig an der Schwelle einer gewissen unerträglichen Irritation kratzt. Zum Glück gibt es eine geballte Ladung kreischender Synthies, die immer dann für eine Ablenkung sorgen wenn die Stimme von Pierres zu viel wird. Im Gesamten bleibt ‚ Gimme ‚ eine ansteckende und zackige Nummer – doch nicht für diejenigen mit einer niedrigen Reizschwelle. Man merkt es gibt Kontraste und so verspricht besonders ‚ At Night ‚ ruhige Momente zwischen klassischer, elektronischer Kulisse und moderner Pop-Musik. ‚ Since You’re Gone ‚ erklärt sich in den ersten 25 Sekunden, schreit dabei nach Glück und verleitet zu leichten Tanzbewegungen, während ‚ Highway Part 1 ‚ wieder zu ‚ At Night ‚ blickt und für eine traumhafte Mondschein-Atmosphäre sorgt. Natürlich bleiben die Vergleiche zu Ihren Kollegen und anderen Zeitgenossen unvermeidlich. Und leider fehlt Fortune die entzündende Durschlagskraft von Air, Daft Punk oder M83. Auch MGMT müssen die Franzosen an sich vorbeiziehen lassen. ‚ Highway ‚ spitzt kurz darauf wieder die Gitarren, ‚ Celebrate ‚ taucht ab in die glitzernde Disco-Welt der 70er Jahre und mit ‚ Fancy Role ‚ geben sich Fortune der Prahlerei hin. Mit verzerrenden und knirschenden Gitarren verfolgt dieser Track am Besten den Rock auf ‚ Staring at the Ice Melt ‚. Mit Einbeziehung der gehauchten weiblichen Vocals im Refrain kreieren Fortune die perfekte kleine Pop-Blase. Am Ende gibt es vielleicht ein wenig zu viele Instrumental-Passagen in denen der Hörer realisiert, wie oft sich die Strophen tatsächlich wiederholen, aber abgesehen davon ist ‚ Fancy Roll ‚ ein gelungenes Album-Highlight. Das Album bleibt nach dem letzten Track ‚ Poison ‚ eine ausgeglichene Sache. Bodenständigkeit und der Verzicht auf experimentelle Ausflüge verhindern zwar eine mögliche Enttäuschung am Ende des gemeinsamen Abends, doch wird es für ein zweites Date reichen?