MELODY’S ECHO CHAMBER Unfold
MELODY’S ECHO CHAMBER entwirft auf UNFOLD ein schimmerndes Rückbild vergangener Hoffnungen, verschlungener Sommernächte, zerbrochener Arbeitsprozesse und neu geöffneter Wunden. Ein Album, das längst vergangen schien, erhebt sich erneut, tastet nach Auswegen, gleitet durch Farben, Stimmen, Verzerrungen.
Die Veröffentlichung von „Unfold“ wirkt weniger wie ein reguläres viertes Album, eher wie ein unfertiges Tagebuch aus der Phase nach dem selbstbetitelten Debüt. Die Aufnahmen entstanden 2013 in Perth und später in Frankreich, begleitet von Kevin Parker, dessen Handschrift in den frühen Produktionsspuren spürbar bleibt. Die Kollaboration zerfiel, die Beziehung ebenso, viele Dateien verschwanden, einiges wurde rekonstruiert. Was heute vorliegt, trägt sichtbare Risse. Diese Brüche machen das Album allerdings erklärbar, nicht automatisch überzeugend. „Unfold“ zeigt eine Künstlerin, die zwischen Euphorie und Erschöpfung nach Form sucht, während sich die ästhetische Linie ihrer früheren Arbeiten nur teilweise durchsetzen kann.
Der Auftakt „Pêcheuse de Lune“ verweist auf jene traumwandlerische Leichtigkeit, die Melody Prochet einst auszeichnete. Der Song kippt in flirrende Percussion, verzerrte Gitarren, übersteuerte Farben. Ein „I think I’m floating in a certain void“ eröffnet das Album wie eine Selbstdiagnose jener Jahre, in denen das Projekt kurz davor stand, zu implodieren. Die Mischung aus Distanz und Dringlichkeit wird später in „Norfolk Hotel“ wieder aufgegriffen, dessen mantraartige Wiederholungen zwar atmosphärisch wirken, aber inhaltlich kaum weiterführen. „Ocean Road“ liefert eine energische Bewegung, schiebt Basslinien und Drums nach vorn, bleibt allerdings im Rückgriff auf vertraute Psychedelia-Muster stehen. Hier entsteht weniger Entwicklung, eher die Wiederholung eines eigenen Frühstils.
Das zentrale Problem des Albums liegt nicht in der Fragilität des Materials, sondern in seiner Gleichförmigkeit. Die Songs teilen ähnliche Texturen, verwaschene Vocals, analoge Schattierungen. Was im Debüt als poetischer Nebel funktionierte, erscheint hier mitunter als fehlende Kontur. Die Rekonstruktion einzelner Fragmente ergibt eine musikalische Oberfläche, die zwar schillernd, aber selten zwingend wirkt. Die Titelnummer „Unfold“ stellt diese innere Unruhe fast überdeutlich aus, wenn Prochet fragt: „How long until the end“. Eine Frage, die sich auf das Entstehen des Albums übertragen lässt. Später kippt „From Pink They Fell Into Blue“ in existenzielle Kälte: „I’m fucking freezing and lost“. Der Moment besitzt Wucht, dennoch verliert die Komposition an Fokus, sobald die Instrumentierung zu stark mäandert.
Das Cover verstärkt den Eindruck eines Werkes, das zwischen Identitäten zersplittert. Ein fluoreszierender Körper löst sich in Rot, Grün, Blau auf, als würde Prochet gleichzeitig anwesend und abwesend sein. Diese Bildsprache spiegelt die musikalische Situation genauer als manche Passage der Songs. „Unfold“ klingt nicht wie ein wiederentdecktes Meisterstück, eher wie das Dokument eines offenen Konflikts, einer künstlerischen Selbstbefragung, deren Antworten unvollständig bleiben. Der historische Wert ist nachvollziehbar, die musikalische Relevanz allerdings ungleich schwächer. Der Veröffentlichung wohnt ein nostalgischer Impuls inne, der sich nicht vollständig in nachhaltige künstlerische Kraft übersetzen lässt.
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