WHITE DENIM 13
WHITE DENIM entwerfen auf ihrem dreizehnten Album eine nervöse Topografie aus Funk und Southern Rock, die zwischen handwerklicher Brillanz und struktureller Sprunghaftigkeit oszilliert. Das Werk fordert durch seine stilistische Unrast eine permanente Aufmerksamkeit ein, die gleichermaßen belohnt wie erschöpft.
Ein trockener, fast schon klinischer Snare-Schlag markiert den Nullpunkt, bevor die Gitarren in “(God Created) Lock and Key” eine rhythmische Verzahnung eingehen, die jede Lockerheit konsequent verweigert. White Denim operieren hier mit einer mikrorhythmischen Strenge, die jeden Impuls zur Improvisation sofort in ein Korsett aus repetitiven, mathematisch exakten Riffs presst. Diese Geste der totalen Kontrolle ist kein bloßes Handwerk, sondern eine strukturelle Entscheidung, die das gesamte Album durchzieht und jede organische Entfaltung im Keim erstickt oder zumindest stark reglementiert.
Diese obsessive Ordnung spiegelt sich in einer visuellen Ästhetik wider, die auf dem Cover die Vertikale sucht, während die Musik permanent in die Breite drängt. Die kopfstehende Typografie korrespondiert mit einer klanglichen Welt, in der die Erdung verloren gegangen ist. Es ist die Inszenierung einer künstlichen Instabilität, die in Songs wie “Chew Nails” durch den Einsatz von Querflöten und Slide-Gitarren eine vermeintliche Weichheit simuliert, nur um im nächsten Moment wieder in die gewohnte, hölzerne Präzision zurückzufallen. Das Verhältnis von Pose und Authentizität verschiebt sich hier zugunsten einer technischen Bravour, die ihre eigene Fragilität hinter einer Wand aus perfekt geschichteten Sounds verbirgt.
Die Lyrics fungieren dabei als argumentative Bruchstellen einer tief sitzenden Paranoia. In “Ruby” wird diese Haltlosigkeit explizit: “Waking up is the hardest thing to do / Bad luck since the day that I met you”. James Petralli nutzt die Stimme nicht als emotionales Zentrum, sondern als weiteres Instrument in einem funktionalen Gefüge, das keine Katharsis zulässt. Die emotionale Distanz wird durch die Produktion verstärkt, die jede Textur so weit isoliert, dass kein kohärenter Raum mehr entsteht, sondern ein additives System aus klanglichen Informationen.
Frühere Alben klingen in dieser Dichte nur noch als Echo einer einstigen Leichtigkeit nach, die auf “13” einer fast schon trotzigen Komplexität gewichen ist. In “Hired Hand #2” materialisiert sich diese Haltung in der Zeile “I’m building a wall, I can’t get through to you”. Es ist die Beschreibung einer Band, die sich in ihrer eigenen Virtuosität einmauert und die Kommunikation mit uns durch ständige, oft abrupte Genrewechsel erschwert. Wo früher Groove als verbindendes Element diente, wirkt er nun wie eine strategische Setzung, die bei Bedarf gegen Country-Blues oder funkige Interludes ausgetauscht wird.
Am Ende bleibt die Beobachtung einer Rastlosigkeit, die sich selbst zum Prinzip erhoben hat. Die rhythmische Strenge des Beginns weicht einer diffusen Offenheit, ohne dass die zugrunde liegende Anspannung jemals nachlässt. White Denim haben ein System perfektioniert, das in seiner ständigen Selbstreferenzialität kaum noch Platz für äußere Resonanz bietet und stattdessen die eigene Prozesshaftigkeit feiert.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Bei einem Kauf erhält MariaStacks eine kleine Provision.
