Linkin Park – Living Things

Wenn ich bisher einen Track von Linkin Park absolut nicht mehr hören kann, dann ist es ‚ Bleed It Out ‚ mit seiner zentralen Monotonie in Gesang und Melodie. Noch einmal fiel diese persönliche Ansicht vor einigen Tagen in die Tiefen meiner gedanklichen Überlegungen, als Linkin Park die angeschriebene Nummer bei Rock im Park 2012 spielten. Es nervte mich, doch die einsetzende Lethargie spülte diese Umstände langsam aus meinem Körper, bis sich plötzlich etwas veränderte. Ich gähnte, reckte mich zu meiner vollen Größe auf und hörte auf einmal nicht mehr Linkin Park, sondern die Beastie Boys. Phänomenal! In dieser ansonsten belanglosen Nummer hat die Gruppe aus Kalifornien einen kleinen aber sehr feinen Tribut verbaut (anlässlich des Todes von Adam Yauch im Mai 2012). ‚ Living Things ‚ heißt nun also das neue Album und Chester Bennington beschrieb die Platte einfach als, „really fucking awesome“. So schlicht wie seine Wortwahl, ist das Album glücklicherweise nicht ausgefallen. Allseits bekannt dürfte die erste Single ‚ Burn It Down ‚ sein, die mit indrustiellen Beats und ansprechenden Old-School-Synthies wohl auch alleine die großen Stadien befüllen wird. Linkin Park probieren sich auf ‚ Living Things ‚ wieder ein wenig aus, wenngleich diese Umstände natürlich als kommerzielle Band sehr eingeschränkt funktionieren müssen. Ziemlich sperrig beginnt dagegen ‚ Lies Greed Misery ‚ und stürtzt sich dabei in die vertieften Hip-Hop-Wurzeln, während ‚ I’Ll Be Gone ‚ wohl als nächste Single ausgewählt wird. ‚ Castle Of Glass ‚ ist dann allerdings der würgende Schritt zu bekannten Mustern: Linkin Park ergänzen die anfänglichen Tracks durch einen rollenden Shuffle-Groove und lyrischen Zeilen: „I’m only a crack in this castle of glass.“ Dieses Prinzip finde ich langsam schlicht und ergreifend zum Kotzen. Man bringe mir bitte einen Kübel… Doch genug der niveaulosen Kritik und hin zu ‚ Victimized ‚ und den brutalen, wie auch krachenden Beats! Eine absolut knackige Nummer, deren Melodien in 1:46 Minuten durch die Boxen gequetscht werden. Und auf einmal läuft der eigene Körper zu Hochtouren an, Linkin Park zelebrieren eine Ode an sich selbst und liefern zugleich den aggressivsten Track in diesem Jahr – egal was noch kommen möge. Insgesamt scheint es, als hätte die Band Ihren Sound für den Moment gefunden. Das ist gut so. Jedoch ist es weder umwerfend, noch ist es gerade berauschend. ‚ Living Things ‚ macht Spaß, ist zuweilen experimentell veranlagt und dazu äußerst atmosphärisch in der Gesamtheit. Linkin Park wissen eben doch noch, was sie tun.