Josephine Wiggs – We Fall

„37 Words“ setzt die Stimmung mit Klavierstichen und auflockernden Percussions. Das eröffnende Stück von Josephine Wiggs ist launisch und atmosphärisch, wie eine Landschaft am Abend. Bei „Slipping Through the Cracks“ wirbeln und winden sich die minimalen Klänge von Klavier und Streichern, während der Titeltrack fast ausschließlich Ambiente bietet: Klavier- und Gitarrennoten schweben förmlich in der Luft, formloser Gesang taucht aus dem Äther auf. Als ursprüngliche Bassistin von The Breeders, war Wiggs eine Geheimwaffe, die mit ihrer typischen Trübsinnigkeit Platten wie „Last Splash“ und „All Nerve“ veredelte. Es ist ein Stil, den sie während ihrer Karriere beibehalten konnte – egal ob es während der Zeit mit der einflussreichen britischen Indie-Rock-Band Perfect Disaster, dem Downtempo-Duo Dusty Trails oder dem experimentellen Lo-Fi-Trio Ladies Who Lunch war. Jetzt versucht sie diese Stimmung selbst herzustellen. 

Auf ihrem Debüt-Soloalbum „We Fall“ verlangsamt sie die Geschwindigkeit und filtert diese brütende Aura durch die Linse des Minimalismus und der Elektronik – mit einem wahrlich scharfen Auge. Zwischen den Felsen des höchsten Berges blüht dieser Minimalismus in feinen Nuancen. Das meist instrumentale Album wurde von Wiggs selbst geschrieben, aufgenommen und abgemischt. Es wirkt mit Blick von dort oben, wie eine umfassende Bestätigung für das langsame Wachstum der Natur. Die Klaviere und Streicher auf Stücken wie „Turn to Moss“ und „Afterwards“ haben eine winterliche Strenge, die an kurze Tage und lange Nächte erinnert und auch auf eine Verwandtschaft mit Künstlern wie Hauschka schließen lässt. 

 

 

In der düsteren Welt von „We Fall“ tauchen nach und nach subtile Stimmungsschattierungen auf: „Loveliest of Trees“ erfährt eine leichte Erwärmung durch Trommelwirbel und Gitarre, die an den frühen Mogwai erinnert, während sanfte Klänge, ausgelöst durch Cello und Synth, während „In a Yellow Wood“ für hypnotische Tiefe sorgen. „We Fall“ ist eine langsame, kontemplative Platte, die sich perfekt für nachdenkliche, späte Abende eignet. Die Songs verweilen, gehen nicht wirklich irgendwohin und doch erfordern diese ein genaues Hören. Josephine Wiggs zeigt letztlich, dass ihre Musik auch außerhalb des Kosmos von The Breeders verdammt viel kann.

8.0