William Doyle – Great Spans of Muddy Time

Das neue Album GREAT SPANS OF MUDDY TIME des britischen Künstlers WILLIAM DOYLE, der zuvor unter dem Namen East India Youth bekannt war, wurde nach einem Festplattenausfall anhand von Kassettenaufnahmen fertiggestellt.

William Doyle erlangte mit seinem ersten Album „Total Strife Forever“ aus dem Jahr 2014 und unter dem Namen East India Youth nahezu augenblickliche Bedeutung in künstlerisch geprägten Musikkreisen. Er verschmolz einen starken Einfluss von David Bowie und Brian Eno mit den aktuellen Klängen der Londoner Tanzszene, bevor er das Projekt pausierte. Ab 2016 tauchte Doyle mit einer Reihe von selbst aufgenommenen Ambient Alben wieder auf, die sich mit Themen wie psychischer Gesundheit, Ökologie und dem Studium des Lichts befassten. Er kehrte schließlich zu den Indie-Rock-Inspirationen seiner Teenagerjahre mit dem kollaborativeren „Your Wilderness Revisited“ im Jahr 2019 zurück. Zwei Jahre später wechselt das ehrgeizige „Great Spans of Muddy Time“ erneut die Tonart und kombiniert Elemente früherer Ausflüge zu einer inspirierten, meist selbst aufgenommenen Mischung aus Art Rock, Dance Synth Pop, strukturierten Instrumentals und Soundexperimenten.

Er beginnt das Album mit dem ergreifenden und lyrischen „I Need to Keep You in My Life“, einer spärlichen Einführung, die sich wie eine Ausstellung für ein deutlich umfassendes, filmisches 13-Track-Set anfühlt. Wehmütige Songs wie „And Everything Changed (But I Feel Alright)“ und „Nothing at All“ mit ihrem lateinamerikanischen Rhythmuszentrum und dem murmelnden Hintergrundflüstern versprühen feinsten Synth Pop. In der Zwischenzeit mischen Instrumentals wie „New Uncertainties“ und „A Forgotten Film“ skurrile und warnende Stimmungen mit ihren vielschichtigen, unvorhersehbaren, platzenden und schimmernden Tönen: einige akustisch, andere nicht und fast alle stark bearbeitet. Seine zerebrale Elektronik mag von ruhiger Pracht überflutet sein, oder von gezacktem Entsetzen pulsieren („Shadowwalking“), aber was konstant bleibt, sind seine schillernden und spontanen Eigenschaften.

Eine Sache, die „Great Spans Of Muddy Time“ fehlt, ist die Kohärenz aus Doyle’s früheren Arbeiten. Das liegt nicht an Doyle selbst – während der Aufnahme des Albums fiel seine Festplatte aus und mehrere Titel gingen verloren. Es gibt also notwendigerweise eine stückweise Herangehensweise an die Platte, wobei einige Songs unerwartet kurz klingen und plötzlich enden. Doch manchmal sind wir uns dieser Songs anfänglich gar nicht bewusst, wie wirkungsvoll sie sein können. Das bereits angesprochene „Nothing At All“ hat einen schönen, schwankenden Refrain, der fast unmerklich in unser Gehirn eindringt, während „St. Giles’ Hill“ einige schöne Harfen aufweist, die sich gut von den kratzenden Geräuschen auf dem folgenden „Semi-bionic“ abheben.

Es wird wahrscheinlich nicht jedermanns Geschmack sein – manchmal wird alles etwas zu dunkel und unzugänglich, wie zum Beispiel bei „Theme From Muddy Time“ – und Neulinge sollten lieber erstmal zu „Your Wilderness Revisited“ greifen. Trotzdem ist dies ein weiteres gutes Beispiel für Doyle’s Talent – und wenn man bedenkt, dass er Anfang dieses Jahres erst 30 Jahre alt geworden ist, deutet dies auf noch viel mehr hin, als wir in den letzten Jahren bereits von ihm hören durften.

8.3