Franz Ferdinand – Tonight: Franz Ferdinand

Lange Zeit ist es mittlerweile her, doch die Meldung einer neuen Franz Ferdinand Platte wurde bereits Ende 2007 öffentlicht. Dort gab man als vorläufigen Termin Frühjahr 2008 an, aber wie wir nun wissen vertrösteten uns die vier Schotten um ein weiteres Jahr. Es gab sehr viel Arbeit in der Zwischenzeit, die Songs mussten eingespielt werden, Alex Kapranos produzierte nebenbei das dritte Album der Cribs und Drumer Paul Thomson widmete sich seiner Zweitband ‚ Correcto ‚. Am 7. Oktober letzten Jahres gaben Franz Ferdinand in einem Interview den Albumtitel ‚ Tonight: Franz Ferdinand ‚ bekannt und einem Monat darauf folgte die erste Singleauskopplung ‚ Ulysses ‚. Auch wenn es mittlerweile wie aus einer vergangenen Zeit erscheint, als ‚ Take Me Out ‚ die Menschen auf der ganzen Welt zum Tanzen animierte, den Vergleich mit Ihrem unerreichten Überflieger werden sich die vier Schotten wohl Ihr ganzes Leben lang anhören müssen. Und so wird man sich auch kurz bei ‚ Ulysses ‚ diesen Gedanken hingeben, wenngleich sie ebenso schnell wieder verschwinden dürften. Knirschende Synthies und viele la-la-la Einlagen dominieren das Geschehen und stellen einen indirekten Vergleich zu den do-do-dos auf Ihrer Hitsingle der letzten Platte ‚ Do You Want To ‚. Wenngleich diesmal alles ein wenig „druggy“ klingt, auch wenn man selbst beim Spielen natürlich keinerlei verbotene Substanzen konsumiert habe, erklärte McCarthy in einem Interview Ende Dezember. Ebenso steht ‚ Ulysses ‚ exemplarisch für den neuen Franz Ferdinand Sound, immer noch verlieren sich die vier Schotten nicht in den typischen Rockstar-Posen, legen stets besonderen Wert auf einen bescheidenen Umgang mit Fans und Tourbegleitern und das trotz einer Verehrung von Amerika bis Asien. So locker Sie sich dort immer geben, so entspannt und unbekümmert klingen auch die zwölf Stücke auf ‚ Tonight: Franz Ferdinand ‚. Schwerpunkt der Platte liegt diesmal nicht bei hoch-klingenden Gitarren und schwindlig spielenden Gitarrenriffs, denn davon hätten Sie erstmal genug wie Nick McCarthy in der Times vorab verlauten ließ. Auf dem neuen Album wurde von lauter Gitarrenmusik Abstand genommen und stattdessen näherten sich die Schotten den Synthesizern und der Elektronik an. In einem alten Haus versteckten sich die Vier und bastelten somit an Ihrer Dancefloor Platte. Trotz des Baujahres scheint das in keinster Weiße auf den Sound abgefärbt zu haben. Elegant wird der unwiderstehliche Gesang von Alex Kapranos sanft durch die Strophen getragen. Die Veränderungen sind allgegenwärtig, der musikalische Horizont wurde erweitert, schlägt sich besonders stark in ‚ No You Girls Never Know ‚ durch und nähert sich der Tanzmusik offenherzig an. Doch keine Angst man hätte es hier gar mit „Disko-Musik“ zu tun, die Veränderungen schlagen sich oftmals eher unbewusst durch, verdichten die Songstrukturen und verbinden funky Gitarren mit tiefen und stampfenden Beats. Das Franz Ferdinand seit je her eine Tanzband sind weiß man seit den letzten beiden Platten, die Ansätze tauchten immer wieder auf und machten es zu einem Markenzeichen, das diesmal einfach konsequenter in die Songs eingearbeitet wurde. Wie eine Ballade beginnt ‚ Bite Hard ‚ bevor hier Schlagzeuger Paul Thomson mit seinen wuchtigen Beats den Song nach Vorne treibt. Die Gitarren ziehen nach und übergeben an die unwiderstehlichen Synthies die intelligent in den Song einfließen, sich trotz der markanten Töne nicht unangenehm aufdrängen und direkt in den Kopf und vor allem ins Tanzbein schießen. Bei ‚ What She Came For ‚ brechen gegen Ende mit unbändiger Wucht die Gitarrenriffs aus Ihren Verstecken und sorgen für einen unerwarteten Überraschungsangriff. Übersichtlicher wirds dagegen bei ‚ Live Alone ‚, das beständig im flotten Tempo für großes Indievergnügen sorgen wird. Markantes fahren die Schotten noch einmal mit ‚ Can´t Stop Feeling ‚ auf. Hier bekommen die Synthies endlich Ihre uneingeschränkte Aufmerksamkeit und sorgen auch für den bleibenden Eindruck nach dem erstmal Durchhören. Abgefahren wird es ab Minute Vier bei ‚ Lucid Dreams ‚ und verstrickt den Hörer in Soundexperimenten besonderer Art. Reduziert auf Rhythmus und ein paar Klangspielereien hätte es tatsächlich ein perfektes Ende für die dritte Platte abgegeben. Doch leider folgen noch zwei ruhige Stücke, die zwar nett anzuhören sind aber in Ihrem Aufbau eher blass und belanglos das Album ausklingen lassen. Schade, denn Franz Ferdinand hätten ansonsten ein erstklassiges Drittlingswerk abgeliefert. Trotzdem bleibt die Freude an den restlichen Songs ungebrochen, denn Schwachstellen sucht man ansonsten vergeblich und mit dem neuen Sound dürften Die Schotten nun auch entgültig aus Ihrem Schatten des Debüts entstiegen sein.