Floating Points – Crush

Vier Jahre hat sich Floating Points, auch bekannt als Sam Shepherd, Zeit gelassen um die neuen Songs zu seinem zweiten Album „Crush“ fertigzustellen. Als er sein Debüt „Elaenia“ herausbrachte, stieg er schnell an die Spitze der elektronischen Musik in Großbritannien auf. Anschließend nahm er eine einmalige Performance in der Wüste auf, 2017 erschien das Ergebnis unter dem Titel „Reflections – Mojave Desert“, bei der sandgestrahlte Gitarren auf einen Motorik-Puls angewendet wurden. Mit der Veröffentlichung von „Crush“ schließt sich der Kreis und es gelingt ihm, die filigrane Elektronik von „Elaenia“ mit der Muskelkraft von „Reflections – Mojave Desert“ zu kombinieren.

Die erste Single „LesAlpx“ ist ein gutes Beispiel: Spiralförmige Synths werden mit einer rumpelnden Basslinie gepaart, die durch den Track summt. Es ist eine stoßende Melodie, die sich aufregender und spontaner anfühlt als alles, was er zuvor gemacht hat. Wenn wir dem anschließenden Track „Bias“ folgen, wird der Nervenkitzel noch einmal gesteigert und Sam interpoliert einen markanten Garage-Beat in seine eigene Welt und lässt ihn zur Hälfte des Songs detonieren, um maximale Wirkung zu erzielen. Doch unter diesen maximalistischen Neigungen befinden sich scheinbar endlose Momente klanglicher Intrigen. 

Ob es der große Schwung von Streichern und stotternder Elektronik ist, der „Falaise“ zu einer so herzerwärmenden Ouvertüre macht, die sanfte orchestrale und elegische Natur von „Sea-Watch“, oder die spärlichen, metallischen Eingriffe, die sich in „Karakul“ hinein- und herausbewegen – Shepherd hält uns mit gereckten Hälsen auf den Zehenspitzen. In der Tat präsentiert „Crush“ einige seiner engsten und dichtesten Arbeiten bis heute. Einfach ausgedrückt ist „Crush“ ein Triumph: das ideale Zusammentreffen von Kopf und Seele auf einer Reise, die sich gleichzeitig kurz und bündig anfühlt, lässt  uns in seine reichen und tief geschichteten Texturen versinken.