Eagulls – Eagulls

Den Eagulls muss damals schon bei der Geburt ein heftiger und wütender Sound aus Elementen von Grunge, Hardcore, Post-Punk und Goth-Schattierungen angehängt worden sein. Die Eagulls aus Leeds bescheren uns aufregende Tage und veröffentlichen nun nach der Tournee mit Franz Ferdinand Ihr selbst betiteltes Debütalbum auch hier in Deutschland. Das eröffnende Stück ‚ Nerve Endings ‚ ebnet dann unseren Weg durch subtiles und wütendes Gebrüll von Sänger George Mitchell, führt unter hallenden Gesteinsmassen zu hämmernden Schlägen und spuckt dabei meist zwischen den spartanischen Ansätzen kurze melodische und harmonische Feinheiten als bittere Worte in unsere Gehörgänge. Das Album weicht davon niemals zu weit von diesem raffinierten Kompositionsstil ab, kombiniert es stattdessen mit fantastischen Chören wie beispielsweise im Stück ‚ Tough Luck ‚ und treibt es unvermeidlich weiter in kolossale Rhythmus-Sektionen die – man kann es nicht oft genug erwähnen – auch hier Ihre Krönung in Form des Gesanges von Mitchell finden. ‚ Hollow Visions ‚ und ‚ Yellow Eyes ‚ heizen den fulimanten Auftakt noch weiter an und sprengen den berittenen Zug mit Effekten aus beladenen Gitarren, die denen der Horros auf deren ersten beiden Alben nicht unähnlich sind. „I can’t see it, can’t feel it, can’t her it…“ schreit Mitchell und zugleich breitet sich fast wortlos eine erwärmende Glaubwürdigkeit im Inneren aus. „You’re the pain in my neck!“ erklingt es kurz darauf im stimmungsvollen ‚ Possessed ‚ zu Bass-geleitetem Stampfen und wirkt dabei wie ein zeitloses Relikt aus den glücklichen Jahren des Punk. Ein hilfeschreiendes Pochen aus dem Untergrund, ein kehliger Bass tuckert währenddessen kontinuierlich durch die morbiden Strophen und treibt die Musik in ‚ Footsteps ‚ mit seinem erzeugten Trommelwirbel fast schon bestialisch vor sich her. Das Songwriting ist effizient und direkt. Die Leistung ist enganliegend, fast begrenzt, aber zu jeder Zeit von ehrlicher Natürlichkeit geprägt. Der Sound klingt nie künstlich bearbeitet oder überproduziert. Das Debüt wird durch die eigene Haltung und den daraus resultierenden Emotionen zusammen gehalten. Und das Beste haben sich die Eagulls für den Schluss aufgehoben. „You’re soulless inside!“ rinnt es schäumend aus jeder Pore, es ist ein pulsierender Adrenalinstoß, der später unter dem eigenen Gewicht nach etwa vier Minuten zusammenbricht. Die Eagulls erschaffen hier einen verheerenden Höhepunkt. Ehrlich geschrieben: es ist bereits jetzt eines der bewegendsten Alben des Jahres und der ausreichender Beweis dafür, dass es sich doch lohnt, auf manche Dinge etwas länger warten zu müssen.