Dua Lipa – Future Nostalgia

Das selbstbetitelte Debütalbum aus dem Jahr 2017 präsentierte uns einen durch und durch modernen Popstar. Und nun? „You want what now looks like / Let me give you a taste,” schnurrt sie auf dem Titeltrack ihres zweiten Albums „Future Nostalgia“. Auf der neuen Platte zeigt sie uns ihre Vision für 2020 durch die Linse der Musik, mit der sie aufgewachsen ist. Dazu gehören Outkast, No Doubt, Prince, Blondie, Jamiroquai und Moloko, aber der vorherrschende Sound des Albums ist Disco. Lipa ging sogar mit der Legende Nile Rodgers ins Studio und auch wenn seine Beiträge nicht für die endgültige Fassung berücksichtigt wurden, so kann man seinen Einfluss überall hören. Die unterschiedliche Qualität und der Sound von Lipa’s Debüt waren ein Echtzeitdokument dafür, wie sich moderne Popstars in der Öffentlichkeit entwickeln müssen. 

Vermutlich ermutigt durch ihren Erfolg, bleibt Lipa auch bei „Future Nostalgia“ beim Titelthema. Gelegentlich zu wörtlich – der Kitsch-Titeltrack zitiert den futuristischen amerikanischen Architekten John Lautner, eine zu obskure Referenz für einen Popsong – aber ansonsten ist ihre Verschmelzung von Disco und rücksichtslos effizientem zeitgenössischem Pop instinktiv brillant. Sie verankert diese Songs mit bissigen Basslinien, macht sie dann transzendent und formt die umgestaltete Natur der Romantik inmitten einer modernen Produktion zu einer überraschend organischen Grundlage um. Lipa ist seit langem als etablierte Künstlerin bekannt und setzt sich für das ein, woran sie glaubt, einschließlich der Rechte der Frauen. Die weibliche Erfahrung ist von Anfang bis Ende eine starke Nuance auf „Future Nostalgia“.

“No matter what you do, I’m gonna get it without ya / I know you ain’t used to a female alpha”. Das Vertrauen in ihrer Stimme gibt uns keinen Grund, an ihren Worten zu zweifeln. Der teure Glanz von „Future Nostalgia“ ist beeindruckend und größtenteils befriedigend. Es ist jedoch auch eine enttäuschend leichte Rückkehr für eine Künstlerin, die eindeutig nach Größe strebt. Zu keinem Zeitpunkt fällt dies deutlicher auf als bei „Boys Will Be Boys“, das mit dem spitzen sozialen Kommentar beginnt, “It’s second nature to walk home before the sun goes down/And put your keys between your knuckles when there’s boys around” nur um es als Einführung in eine Reihe harmloser Slogans zu verschwenden. Es ist einer von zu vielen Momenten, die auf die Möglichkeit einer mutigeren Platte hinweisen, bevor sich diese wieder in die Komfortzone zurückziehen.