Brendan Benson – Dear Life

Bei den Raconteurs erweisen sich Brendan Benson’s klassisches Songwriting und Beatles-ähnliche Melodien als die perfekte Vorlage für die eher ungebundenen Momente von Bandkollege Jack White. Aber Brendan’s siebtes Soloalbum „Dear Life“ versucht sich nun selbst im experimentellen Bereich und muss dafür Leergeld zahlen. In „Dear Life“ erkundet Benson sowohl die Rock-Schwere der Raconteurs als auch in geringerem Maße die Power-Pop-Songwriting-Momente, die seine Solo-Arbeit definieren. Der Album-Opener „I Can If You Want Me To“ beginnt mit einem geloopten Vokal-Sample und bearbeiteten Gesängen, programmierten Drums und einem fast Dubstep-artigen Refrain, die zu einer großen Abweichung von allem führen, was Benson zuvor veröffentlicht hat.

“So looked over, so underrated/Every move proves to be ill-fated,” sang Brendan Benson 2012 in „What Kind of World“ und fasste seinen abgenutzte traurige Masche in wenigen Worten zusammen. Im Gegensatz dazu ist „Dear Life“ das lebhafteste und selbstbewussteste Album, das er seit seinem Debüt 1996, „One Mississippi“, aufgenommen hat. Es ist das angebliche Ergebnis, das letzte Jahrzehnt damit verbracht zu haben, nüchtern zu werden, eine Familie zu gründen und schließlich als die Hälfte der Raconteurs die allgemeine Anerkennung zu erhalten, die ein Musikschmied seines Kalibers sicherlich verdient. 

Die luftige Positivität des neuen Albums wurde von den Singles „Good to Be Alive“ und „Richest Man“ im Vorfeld angekündet: “I’ve got two beautiful babies/And one hell of a good-looking wife/Got twice the love and half the money/And I feel like the richest man alive,” singt Benson in Letzteres, die einfache Schwachsinnigkeit seiner Texte werden durch die unerschütterliche emotionale Authentizität des Gefühls ausgeglichen. Und während niemand die Texte auf „Richest Man“ mit Poesie verwechseln würde, klingen sie angesichts der jahrelangen Songs, in denen es darum geht, sich verloren und unerfüllt im Single-Leben zu fühlen, tiefgreifend und wahr. 

Mit seiner Wand aus klingenden Gitarren, fröhlichen Blechbläsern und euphorischen Harmonien ist „Richest Man“ der offenkundigste Wohlfühlsong, den Benson jemals geschrieben hat. Benson’s neue Songs enthalten einfache, aber ansprechende Philosophien, in denen es darum geht, das Beste aus dem herauszuholen, was wir haben. Seien es die Freuden der Ehe und der Elternschaft, oder existenzielle Verzweiflung mit strahlender Bestimmtheit zu bekämpfen. Sogar Songs, in denen der Protagonist Probleme hat, haben einen McCartney-artigen, optimistischen Charme, der von ihrer bloßen Melodie und der Freude an musikalischen Details durchdrungen ist.

Es ist so über weite Strecken aufregend zu hören, wie Benson mit diesen Songs neue Risiken eingeht, aber auch eine Ernüchterung, wenn er zu weit geht. Dennoch ist er nie zu weit von dem geschickten Songwriting und der Pop-Sensibilität entfernt, die er seit all den Jahren immer wieder gewinnbringend verfeinert.