Hot Chip – In Our Heads

Ein großartige Band mit einem ebenso großartigen Song: Die Rede ist natürlich von der ersten Single ‚ Night And Day ‚ aus dem Album ‚ In Our Heads ‚ von Hot Chip. Glücklicherweise muss man auch schreiben, ist doch seit Ihrem Hit ‚ Ready For The Dancefloor ‚ der Anspruch kontinuierlich gesunken, man erinnere sich an den vorläufigen Tiefpunkt ‚ One Life Stand ‚ aus dem Jahr 2010. Aber daran schieden sich ohnehin die Geister. Doch das alles ist schlussendlich Kritik auf hohem Niveau und sowieso Geschichte. Heute richten sich die strahlenden Lichter auf den Track ‚ Night And Day ‚ und Joe Goddard erzählt darüber sehr passend, „A lot of people in Hot Chip are having a love affair with house music at the moment and you can definitely hear that. I sometimes ask myself what the point of making pop music is, as it can feel a bit pointless. But I think trying to spread a bit of positivity is a valuable thing.“ Es ist treibender Synthie-Pop, der Refrain eingängig, die Rhythmen voller Charme. Einfach typisch Hot Chip. Die Vorstellungen aus den Köpfen der Mitglieder direkt in die Melodien transferiert. ‚ Night And Day ‚ ist einfach gehalten und ich steh es in diesem Zusammenhang voll drauf. Erschienen als 12″ Vinyl und digitaler Download, gibt es auf der B-Seite noch Remixe von Joe Goddard in Kollaboration mit den 2 Bears, sowie den Titel ‚ Jelly Babies ‚. In jedem Fall einen Kauf wert. Über das dazugehörige Album muss dagegen ein wenig differenzierte Schreibarbeit geleistet werden. Denn auch bei ‚ In Our Heads ‚ fällt man als Hörer von den luftigen Höhen direkt in die kalte Tiefe. Zu Beginn scheint noch alles in bester Ordnung. Das eröffnende ‚ Motion Sickness ‚ ist Song und Intro zugleich. Ein starker Elektro-R’n’B Jam, Streicher-Arrangements, ein Vibraphon und eine Marimba fügen sich dabei herrlich in das Gesamtbild ein und kreieren nicht zuletzt den ersten Farbpunkt eine Genre-Verschmelzung der besonderen Art und Weise. Doch seien diese Sätze abseits der musikalischen Qualität zu betrachten. Denn selbst wenn auch das zweite Stück ‚ How Do You Do ‚ mit seinen knackigen Beats, den hallenden Gesängen und den hintergründigen Synthies für tänzelnde Gefühle im Hörer sorgen wird, mit ‚ Don’t Deny Your Heart ‚ endet erstmal die musikalische Wohlfühlatmosphäre. Wir tauchen in die 80er Jahre und hören in den kommenden Minuten etwas belangloses, auch an den Mainstream erinnerndes Material mit dem Gespür für fehlenden Tiefgang. Und so landen wir erneut bei ‚ Night And Day ‚ – eine Nummer die im Tracklisting irgendwie sehr fehl am Platz wirkt. Selbes Prinzip, wenngleich mit einem gefühlvolleren Händchen, begegnet uns das nächste Stück ‚ Flutes ‚. Langsam brennen sich die verstärkenden Rhythmen in die Köpfe der Hörer (bei sieben Minuten eigentlich kein Wunder) und die unzufriedene Mine weicht erstmal gelockerten Gesichtszügen. Zum Ende scheint das vereinte Talent von Hot Chip erneut leise mit der Hand den Abschied anzukündigen. Die Mühelosigkeit aus so manchen Minuten ist zwar weiterhin vorhanden, aber der beständige Ausstoß brillanter Popmusik ist nur noch leere Elektro-Romantik – geschaffen für den Moment, jedoch nicht für die Ewigkeit. Mit ‚ Let Me Be Him ‚ verschwinden Hot Chip dann fast noch in einem Kitsch-geschwängerten Liebeslied. Leider ist es nicht das pure Hörvergnügen einer ambitionierten Band, sondern mehr der Querschnitt aus Versuch und Routine. Es gibt die dynamischen Momente und Hot Chip sind auch weiterhin der liebenswürdige Haufen vergangener Tage – doch die glattgebügelten Melodien sind hoffentlich nicht der erklärte Weg für das zukünftige Ziel…