DENZEL CURRY Strictly 4 the Scythe
Finsterer Memphis-Sound trifft auf eklektischen Internet-Rap der Gegenwart. DENZEL CURRY formt mit THE SCYTHE ein Kollektiv, das zwischen nostalgischer Hommage sowie moderner Beliebigkeit schwankt.
Die Formierung von „The Scythe“ markiert eine bewusste Rückbesinnung auf das Kollektivprinzip früherer Tage. Denzel Curry nutzt diese strategische Gruppierung, um die ästhetischen Koordinaten seiner eigenen Diskografie neu auszurichten. Anstatt die klangliche Evolution seiner Solowerke fortzusetzen, dient dieses Projekt als gezielte Verortung innerhalb einer südstaatlichen Rap-Historie. Die Wahl der Mitstreiter, darunter A$AP Ferg sowie TiaCorine, folgt keinem kommerziellen Kalkül, sondern manifestiert den Anspruch, eine bestimmte regionale Härte zu kanonisieren. Diese Entscheidung für den Rückzug in vertraute Genre-Muster bestimmt die gesamte Statik des Albums.
Die visuelle Inszenierung auf dem Cover forciert eine bewusste Überzeichnung dieser künstlerischen Position. Zwei vermummte, scherenschnittartige Gestalten mit Sense sowie Hammer rücken das Kollektiv in eine fast sakrale, bedrohliche Nähe zum Horrorcore der neunziger Jahre. Diese Pose der Unnahbarkeit verschleiert die tatsächliche Fragmentierung des musikalischen Materials, das oft eher wie eine lose Sammlung von Studiositzungen wirkt. Die theatralische Schwere des Bildes kontrastiert massiv mit den teils spielerischen, unbeschwerten Momenten der zweiten Albumhälfte. Es entsteht ein Bruch zwischen der behaupteten Geschlossenheit einer verschworenen Gemeinschaft sowie der hörbaren Distanz zwischen den einzelnen Beiträgen.
Musikalisch materialisiert sich diese Strategie in einer konsequenten Rückwendung zu Memphis-Zitaten. “The Scythe” fungiert als programmatische Geste, deren stampfender Rhythmus mitsamt den Gruppen-Chants eine künstliche Dringlichkeit erzeugt. Denzel Curry agiert hier als ordnende Kraft, während TiaCorine mitsamt einer bemerkenswerten stimmlichen Flexibilität die stärksten Akzente setzt. Ihre Zeilen übertreffen die oft schematischen Beiträge von Ferg, welcher in Stücken wie „MUTT THAT BIH” lediglich bekannte Schablonen seiner Karriere zitiert. Die Einbindung von Juicy J in “PHONY” dient als formale Beglaubigung dieser Traditionslinie. Key Nyata liefert hier präzise Triplett-Flows ab, welche die strukturelle Nähe zum Klassiker “Mystic Stylez” unterstreichen.
Ab der Mitte verliert das Projekt seine klangliche Integrität. “HOOPTY” verschiebt den Fokus in Richtung einer verspielten Bling-Ära-Ästhetik, begleitet von Smino’s Gastauftritt. Die zuvor etablierte Düsternis weicht einer glatten Produktion, die in “TAN” ihren Tiefpunkt findet. Hier nähert sich der Sound einem austauschbaren Internet-Trap an, welcher die mühsam aufgebaute Identität des Kollektivs untergräbt. Die strategische Setzung einer neuen Supergroup scheitert an der mangelnden inneren Kohärenz der acht Titel. Am Ende bleibt der Eindruck einer ambitionierten Skizze, deren Einzelteile die Kraft des gemeinsamen Namens nur selten rechtfertigen.
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