Ashley McBryde – Never Will

Die trotzige Atmosphäre im Namen „Never Will“ setzt Erwartungen an Ashley McBryde’s zweites Major-Label-Album und spiegelt wider, wie der Titel „Girl Going Nowhere“ das Verständnis für die 11 Songs ihres herausragenden Debüts 2018 umrahmte. „Never Will“ ist dabei eher eine Zusammenlegung als eine Abkehr von „Girl Going Nowhere“ und bietet die gleiche Mischung aus herzlichem Country und stämmigem Rock & Roll und wurde auch von Jay Joyce produziert. Es fühlt sich an, als ob McBryde in diesen neuen Songs genau weiß, wohin sie geht. McBryde ist eine kluge, freche und vor allem emanzipierte Frau, deren verwurzelte Musik die klassischen Country-, Folk- und sogar leichten Bluegrass-Einflüsse in Einklang bringt.

Die aufregendsten Tracks der Platte klingen wenig anderes als im Country-Radio: „Velvet Red“ ist eine Emmylou Harris-Bluegrass-Ballade über einen Appalachen-Romeo und Julia. Ihr Label traf eine etwas mutige, sogar mutwillige Entscheidung, indem es „One Night Standards“ als erste Single des neuen Albums veröffentlichte. Aber es ist ein Song, der in der fernen Zeit, als das Country-Radio betrügerische Wehklagen spielte, ein Knaller gewesen wäre. “How it goes is, the bar closes / There ain’t no king bed covered in roses,” singt sie in einer Ballade über das Versumpfen in einer Bar, die dir hilft, die Nacht zu überstehen. 

Aber im Allgemeinen ist es McBryde’s aggressivere Seite, die auf Tracks wie „Martha Divine“ zu sehen ist, wo die Protagonistin den Liebhaber ihres Vaters mit einer Schaufel schlägt, während eine Leadgitarre schreit. Ähnliche Emotionen treten in „Shut Up Sheila“ auf, einer von nur zwei Songs, die nur teilweise von McBryde komponiert wurden. Der einzige Fehltritt des Albums ist das abschließende „Styropor“, ein schrulliges Funk-Reggae-Stück mit humorvollen Versen über die nominelle Substanz. Es könnte in ihrer Live-Show funktionieren, fällt aber hier flach, besonders neben den anderen zehn Edelsteinen.

Ungeachtet dessen ist es schwer vorstellbar, dass McBryde’s beliebte und hoch gelobte erste Veröffentlichung besser und selbstbewusster hätte fortgesetzt werden können.