AC/DC – Rock Or Bust

Zugegeben, ich war bis vor wenigen Tagen kein großer Anhänger von AC/DC. Das letzte Album ‚ Black Ice ‚ hat meine Gehörgänge nur im Vorbeilaufen gestreift und generell ist meine Meinung über alternde Rockstars ähnlich der vieler Anderer. Doch dieses Mal war alles ein bisschen anders. Die erste offizielle Single ‚ Play Ball ‚ wurde Mitte des Monats samt Musikvideo veröffentlicht. Gedreht wurde es vergangenen Oktober in London unter der Regie von David Mallet, mit dem AC/DC seit langer Zeit zusammenarbeitet. ‚ Play Ball ‚ ist eingängig genug, um für jede erdenkliche Sportart als grandiose Hymne zu dienen. ‚ Rock the Blues Away ‚ ist dagegen der eingängigste Pop der Band seit ‚ You Shook Me All Night Long ‚. Hat man bis zu diesem Zeitpunkt gemerkt, dass Malcom Young nicht mehr mit von der Partie ist? Eigentlich nicht.

‚ ROCK OR BUST ‚ ist das erste AC/DC-Album ohne Gründungsmitglied Malcolm Young. Vertreten wird er durch Stevie Young, der schon immer im AC/DC-Kosmos präsent war und Malcolm bereits in der Vergangenheit vertreten durfte. Gemerkt hat es auch damals kaum jemand. Ein weiterer Verlust war AC/DC-Drummer Phil Rudd. Der Schlagzeuger wurde damals noch durch die nebulöse Meldung „familiären Notfall“ entschuldigt. Mittlerweile weiß man, dass Rudd wegen Drogenbesitz und das Aussprechen einer Morddrohung vor Gericht erscheinen muss und wohl 7 Jahren Gefängnis bekommt. Dem Album hat das alles glücklicherweise keinen Schaden zugefügt. Denn dieses ist in der ersten Hälfte zu neunundneunzig Prozent einfach nur großartig. Alleine die Gitarren-Riffs sind eine Wucht (beispielsweise in ‚ Dogs Of War ‚) und da stört es auch nicht, dass AC/DC oftmals auf den reinen Rhythmus aufsteigen und die Funk-Rhythmen eines James Brown in die Sprache harter Gitarren übersetzt.

‚ Got Some Rock & Roll Thunder ‚ könnte ihn den ersten Sekunden glatt eine Nummer der Black Keys von heute sein. Die neuen Songs beweisen zudem erneut auf faszinierende Art und Weise, welch breites Spektrum an Variationen auf kleinstem Raum möglich sind. Ja die Formel funktioniert seit einigen Jahrzehnten in beinaher Perfektion und auch wenn ‚ Rock Or Bust ‚ mit seinen 35 Minuten das kürzeste AC/DC Album aller Zeiten geworden ist sei versichert, die neue Straffheit ist wohltuend, auf höher der Zeit und angenehm belebend.