AC/DC – POWER UP

POWER UP ist so fröhlich, wütend und – um ehrlich zu sein – kriegerisch dumm wie alles im Katalog von AC/DC. Es ist gewohnter Unsinn mit Headbangen, fuchtelnden Fäusten, stampfenden Füßen und natürlich einem Pedal-to-the-Metal-Maximum an Rock’n’Roll.

Die Band hat „POWER UP“ als eine Erweiterung von Malcolm Young’s unauslöschlicher kreativer Vision beschrieben, und tatsächlich ist die legendäre stilistische Konsistenz von AC/DC auf diesen 12 Tracks zu sehen. Wie immer setzt die Musik knirschende Riffs und kreischende Gesänge über stampfende Midtempo Rhythmen und wie immer stammen die Texte aus einem scheinbar endlosen Vorrat an risikoreichen Doppelspurigkeiten, einschließlich eines in dem Song „Money Shot“, der hier nicht zitiert werden kann. Die grausame Ironie ist, dass es der Gruppe gelungen ist, sich zu stabilisieren, gerade als die Welt in den freien Fall gegangen ist. 

Seit mindestens Mitte der 90er Jahre fungiert jedes neue AC/DC-Studioalbum als eine Art Lustführer, der die Fans dazu bringen soll, Tickets für die ultra-lukrativen – und äußerst unterhaltsamen – Konzerte zu kaufen, bei denen die Band all ihre alten Muskeln spielen lässt und noch immer zahlreiche Wirkungstreffer setzen kann. Jetzt werden AC/DC natürlich wegen COVID-19 für wie lange auch immer von der Bühne weg sein. Das bedeutet, dass „Power Up“ diesen potenziellen Werbezweck überwinden muss, um als Hörerlebnis für sich allein zu stehen. Das 41-minütige Album wurde im Warehouse Studio in Vancouver mit Pearl Jam und Bruce Springsteen-Produzent Brendan O’Brien aufgenommen und zeigt die Band in einem tief vertrauten Miteinander. 

Auf Tracks wie dem von Muscle Shoals inspirierten „Through the Mists of Time“ und dem extrem eingängigen Rocker „Witch’s Spell“ klingt Johnson absolut einnehmend und liefert ein gefühlvolles und mächtiges Heulen. Auf der seidigen Single „Shot in the Dark“ und dem hymnischen Rocker „Kick You When You’re Down“ kommen sie dagegen unglaublich stramm daher, während „Demon Fire“ und „Wild Reputation“ die Band ein wenig vom Drehbuch abkommen lässt. Während das Album verständlicherweise etwas Füllstoff im unteren Drittel enthält, ist „POWER UP“ dennoch genauso solide und einprägsam wie „Let There Be Rock“ oder „For Those About to Rock (We Salute You)“.

7/10