Celeste – Not Your Muse

NOT YOUR MUSE ist ein Album, das uns immer wieder zurücklocken wird, sowohl wegen der technischen Brillanz als auch wegen seiner anderen Qualitäten. CELESTE ist vielleicht nicht das nächste große Ding, aber sie klingt, als wäre sie auf lange Sicht ganz vorne mit dabei.

Die in Los Angeles geborene und in Brighton aufgewachsene Sängerin hat sich gerade an die Spitze der „BBC Sound of 2020“-Liste gesetzt, die nicht minder prestigeträchtige Auszeichnung als „Rising Star“ bei den BRIT Awards entgegengenommen und nun ihr Debütalbum veröffentlicht. Die Sängerin, die mit vollem Namen Celeste Epiphany Waite heißt, hatte Pech, denn natürlich stellte sich schnell heraus, dass der eigentliche Sound von 2020 ein gequälter Schrei war, der für alle Ewigkeit in einer zunehmend trostlosen Höllenlandschaft widerhallte, als die Covid-19-Pandemie unser Leben übernahm. Es ist jetzt ein neues Jahr und (eine Art) Neuanfang, und es ist an der Zeit, Celeste Waite’s Debütalbum der Welt vorzustellen.

In den Strophen von „Ideal Woman“, dem eröffnenden Track ihres Debütalbums, überlegt die Sängerin, warum sie als dem Ideal entgegengesetzt angesehen werden könnte. Vielleicht liegt es daran, dass sie „too proud“ ist oder „lack[s] patience“, Eigenschaften, die für ein Mainstream-Konzept der Weiblichkeit ungeeignet sind. Was auch immer der Grund sein mag, Celeste scheint das nichts auszumachen. “Please don’t mistake me for somebody who cares”, schnarrt sie im süßen Affekt. In „Not Your Muse“ macht Celeste Behauptungen, die das Gegenteil beweisen könnten: Sie kümmert sich um vergangene und zukünftige Liebhaber, den Nervenkitzel der Jagd und herausragende Big-Band-Arrangements. Was das Album jedoch deutlich macht, ist, dass eine Person vor allem Liebe verdient: sie selbst.

Celeste strahlt Selbstvertrauen und Sicherheit aus und stärkt ihre sanften und düsteren Songs mit Momenten optimistischen und glitzernden Funk und ausgelassenen Neo Soul. Die aufeinanderfolgenden Tracks „Tonight Tonight“ und „Somebody Stop This Flame“ zeigen Celeste’s Eifer, die Liebe zu dominieren und ihre Beziehungen zu verfolgen und daran festzuhalten. Der herausragende Track ist zweifellos „Strange“. Die Einfachheit des Tracks ist trotz des Leidens beeindruckend. Das wunderschön melancholische Klavier begleitet die leisen Streichinstrumente zu einem unheimlich traurigen instrumentalen Hintergrund. Für eine Sängerin mit solch kraftvollem und vollem Gesang trägt Celeste’s Fähigkeit, ihre Stimme zu mildern und zu beruhigen, scheinbar zum immensen Erfolg des Tracks bei. 

Es ist ein Song, der Adele’s „Someone Like You“ sehr nahe kommt – ein Track, auf den sich jeder beziehen kann, der tiefen Herzschmerz verspürt. Die musikalischen Ähnlichkeiten mit Adele mögen bedeuten, dass einige Leute „Not My Muse“ für zu nachahmend halten, aber ein Großteil des Albums ist energiegeladen und sprudelt nur so vor Kraft. Kleine Details wie das Mark Ronson-artige Blechbläser bei „Love Is Back“ oder die kribbelnde Gesangsdarbietung bei „The Promise“ heben „Not My Muse“ auf eine weitere Ebene – es ist nicht die Art von Platte, in der wir nach großen Überraschungen oder revolutionären Momenten erwarten brauchen, aber wer nach einer exzellenten Pop Soul Platte von einer Künstlerin sucht, die in den kommenden Jahren dabei sein wird, dann macht man hier nichts falsch.

7.7