Beyoncé – Beyoncé

Zum Ende des Jahres gibt es eine große und doch sehr unerwartete Gewinnern: Ihr Name ist Beyoncé und ebenso heißt Ihr fünftes Studioalbum. Die Überraschung ist damit perfekt. Den selbstbetitelten Longplayer bezeichnet die Sängerin, Songwriterin und Produzentin als ihr „erstes visuelles Album“. ‚ Beyoncé ‚ enhält neben 14 neuen Songs auch 17 faszinierende Videos, die rund um den Globus gedreht wurden, unter anderem in Houston, New York, Paris, Sydney und Rio. Als Knowles ihre Solo-Karriere im Jahr 2003 mit ‚ Dangerously in Love ‚ startete, stellte sich der astronomische Erfolg in Höhe von 11 Millionen weltweit verkauften Exemplaren ein. Bis Ende 2011 hatten jedoch in Großbritannien Adele, Lady Gaga, Jessie J , Rihanna und Amy Winehouse wesentlich mehr Exemplare ihrer aktuellen Album verkakuft, als Beyoncé mit Ihrem letzten Werk ‚ 4 ‚. Ein Comeback war nötig – und es schien als ob Februar der entscheidende Monat hätte werden sollen. Doch es kam anders, es folgten Verwirrungen, ein ätztender Song mit Namen ‚ Bow Down / I Been On ‚ bei SoundCloud im März, danach der Track ‚ Grown Woman ‚ und manchmal hatte man auch den Eindruck, als wüsste Sony zuweilen selbst nichts über die Veröffentlichungen. Eine ganze Kampagne schien in die Unordnung zu entgleiten und irgendwie hat sich das über das Jahr hingezogen. Der Blitzkrieg-ähnliche Ansatz ohne Singles und Radio Promotion ging auch schon bei Kanye West in diesem Jahr ordentlich in die Hose. Ein Umsatzrückgang um 80 Prozent in der zweiten Woche der Verfügbarkeit in den Staaten. Eine Beyoncé kann sich das eigentlich nicht leisten. Auch wenn es jetzt danach aussieht, ein kreativer Schnellschuss war es keinesfalls, denn die Platte folgt einem klaren thematischen Ton und fordert die sexuelle Unabhängigkeit in expliziten Zeilen wie, „Red light special, undress me under the candle light“ mit gurrender Stimme. “…I’m ready to go, ready to blow like Grammy night in the back of that limousine, Billy-Bob and Angeline.” Diese Philosophie spiegelt sich am prägnantesten in ‚ *** Flawless ‚ Feat. Chimamanda Ngozi Adichie wieder. “We teach girls that they cannot be sexual beings in the way that boys are.“ Das tatsächlich beste an der gleichnamigen Platte von Beyoncé ist aber die musikalische Eigenständigkeit. Man hat auf einen elektronischen Sound verzichtet und sich stattdessen auf unverkrampfte Songwritings konzentriert, die einen bemerkenswerten Mensch porträtierten. “All the shit I do is boring, all these record labels boring,” so die Worte im zweiten Stück ‚ Haunted ‚. Schlussendlich handelt es sich bei ‚ Beyoncé ‚ zwar um kein Konzeptalbum, dennoch steckt hinter dem Longplayer der Gedanke, dass der Audio- und Video-Part untrennbar miteinander verknüpft ist, vom ersten bis zum letzten Stück. Es ist der Gegenentwurf zum Hitsingle-Denken – das visuelle Album ist eine nichtlineare Reise durch Beyoncés Gedanken und Visionen. Erschienen ist die Platte am heutigen Tage und mit seinen 14 neuen Songs absolut empfehlenswert.