Simian Mobile Disco – Temporary Pleasure

So großartig und brillant die letzten Jahre von Simian Mobile Disco auch gelaufen sind, die Anfänge mit Ihrem ersten Projekt Simian, die erfolgreichen Remixversionen namhafter Künstler wie Muse und Air, die Zusammenarbeit mit den Klaxons oder Alex Turner der Last Shadow Puppets und die abschließende Krönung mit dem phantastischen Debüt ‚ Attack Decay Sustain Release, so enttäuschend mag für viele der Einstieg in das zweite Werk der beiden Produzenten James Ford und Jas Shaw klingen. Anstelle von stampfenden Beats und heroischen Synthies in dem damaligen Opener ‚ Sleep Deprivation ‚, die dominant das Geschehen kontrollierten, aufopferungsvoll den Weg ebneten und willensstark dem Hörer die Richtung diktierten, so grundlegend distanziert erscheinen nun die ersten Minuten auf ‚ Temporary Pleasure ‚ mit seinem Opener ‚ Cream Dream ‚ featuring Gruff Rhys der Super Furry Animals. Vor zwei Jahren beschränkte sich die Kooperation auf die Sängerin Ninja von der britischen Indie Band The Go! Team, Char Johnson aka Black Accent, Simon Williams aus dem damaligen Projekt Simian und Barry Dobbin von der einstigen Post-Punk-Electro-Band Clor. Man kann sagen, es hielt sich im überschaubaren Rahmen des Betrachters. Nun im Jahr 2009 haben sich die Dinge aber grundlegend geändert. Simian Mobile Disco sind Ihren Underground-Attitüden schon lange entschwunden, der einstige Geheimtipp aus London ist nun bekannter, berühmter und angesehener als jemals zuvor. Und so tummeln sich die Gaststars in Scharen um das Mischpult von James Ford und Jas Shaw. Mit Chris Keating von Yeasayer und dem Track ‚ Audacity Of Huge ‚ war die erste Singleauskopplung perfekt und beschwört mit Ihrem charismatischen Sänger eine surreale Ode an die Pop Kultur mit dem unabdingbaren Ausdruck der unerfüllten Liebe. Infatile Romantik, keifende elektronische Impulse und eine unverkennbare Falsettstimme von Gruff Rhys makieren den Opener. Bravouös glänzen die Stacatto Wellen und werden eigentlich nur von dem hauseigenen Track ‚ 10000 Horses Can’t Be Wrong ‚ übertroffen. Hier rollen die kristallklaren Beats unaufhörlich über wabbende Synthie-Schaltkreise der Achtziger, eine hedonistische Atmosphäre zieht durch elektrifizierte Rauchwolken und ebnet den Weg für das wunderschöne ‚ Cruel Intentions ‚ featuring Beth Ditto von The Gossip. Die wohl proportionierte Feministin und innerlich entfachte Disco-Diva greift zum Mikrophon und verleiht dem insgesamt ruhigen Song einen dennoch tanzbaren Look in verspieltem Ambiente. Danach stehen mit ‚ Off The Map ‚ featuring Jamie Lidell und ‚ Synthesise ‚ zwei härtere Nummern am Start, wobei besonders letzteres versteht mit dem gewaltigen Stimmorgan krächszende und eigenwillige Schreie der besonderen Art zu fabrizieren. Unangefochtenes Highlight auf ‚ Temporary Pleasures ‚ ist aber ohne Zweifel das schwankende und benebelte ‚ Bad Blood ‚ featuring Alexis Taylor von Hot Chip. Verwirrt torkeln hier die abgestürzten Töne im schrummigen Licht durch makellos sitzende Afro-Pop-Beats hindurch. Nach der geschmacksorientierten Hip Hop Nummer ‚ Turn Up The Dial ‚ featuring Young Fathers folgt stilsicher und unglaublich überstylter Minimalismus in der dritten und letzten Nummer ‚ Ambulance ‚ von Simian Mobile Disco. Das ansonsten glänzende Album hat nur eine deutliche Schwäche: Den Abschlusstrack ‚ Pinball ‚ featuring Telepathe ‚. Unnötig und ausdruckslos- darauf hätte das Duo verzichten können. Ebenso dürfte so manchen die überzogene Dichte an Gaststars übel aufkommen. Aber schlussendlich werden Simian Mobile Disco auch mit der zweiten Platte die internationale Elektro-Szene fest in Ihren Händen halten.